Vater und Sohn beim Beheizen eines Kaminofens. (Foto: picture alliance/imageBROKER/Norbert Michalke)

Tausende Kaminöfen müssen ausgetauscht werden

Thomas Braun   22.05.2019 | 14:18 Uhr

Im Saarland müssen in den kommenden fünf Jahren nach Angaben der Schornsteinfegerinnung rund 92.000 Kaminöfen ausgetauscht oder nachgerüstet werden. Ob aber selbst diese getauschten Öfen künftig gesetzeskonform betrieben werden können, ist aktuell unklar. Denn es ist eine weitere Regelverschärfung geplant.

Rund 142.000 Feuerstätten für feste Brennstoffe - in der Regel Kaminöfen - gibt es im Saarland. Gut 20.000 davon müssen bereits bis Ende kommenden Jahres getauscht oder nachgerüstet werden, um die Grenzwerte etwa bei der Feinstaubbelastung einzuhalten. Für die restlichen 70.000 Öfen gilt eine Frist bis Ende 2024.

Video [aktueller bericht, 20.05.2019, Länge: 1:55 Min.]
Schornsteinfeger debattieren über neue Kaminöfen und Umweltschutz

Eine Sanktionsmöglichkeit, wenn der Ofen nicht getauscht wird, sieht der Gesetzgeber laut Innungsmeister Eric Scherer übrigens nicht vor. Es könne aber zum Beispiel eine Rolle bei Nachbarschaftsstreitigkeiten spielen. Generell nicht betroffen und bereits aus der Statistik herausgerechnet sind Öfen oder Pelletheizungen, die als alleinige Heizquelle dienen.

Ein moderner und guter Ofen koste zwischen 1000 und 1500 Euro, schätzt Scherer. Das sei teilweise günstiger als eine Nachrüstung.

Bis zu fünf Meter hohe Schornsteine nötig?

Allerdings gibt es momentan eine große Unsicherheit, ob selbst ein moderner, emmissionsarmer Ofen zukünftig noch erlaubt ist. Hintergrund ist eine geplante Verschärfung der Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV). Die hatte bereits den Bundesrat passiert - wurde aber vor wenigen Wochen von der Bundesregierung gestoppt.

Die umstrittene Änderung betrifft vor allem die Schornsteine. Sie sollen künftig so hoch sein, dass sie mehr im Wind stehen und Rauch besser abzieht. "Das kann dazu führen, dass viele Schornsteine - zum Beispiel in Hanglagen - um fünf, sechs Meter freistehend über dem Dach erhöht werden müssen", erklärt Scherer.

"Verstecktes Nutzungsverbot"

Das bringe dann aber statische Probleme, teilweise sei der Betrieb physikalisch gar nicht mehr möglich. Zudem würde auch die Feuerwehr beim Löschen von Kaminbränden vor neue Herausforderungen gestellt. Faktisch komme eine solche Verordnung in einzelnen Regionen laut Scherer einem "versteckten Nutzungsverbot" gleich.

Nach Angaben des saarländischen Umweltministeriums wurde die strittige Passage zu den "Ableitungsbedingungen für Kleinfeueranlagen" vorerst aus der Verordnung gestrichen. Nun soll auf Einladung des Bundesumweltministeriums noch einmal über die Verordnung diskutiert werden, dieses Mal auch gemeinsam mit den Fachverbänden wie der Schornsteinfegerinnung. Mit einem ersten, überarbeiteten Entwurf wird frühestens im Herbst gerechnet. So lange bleibt die Unsicherheit. Scherer wünscht sich vom Gesetzgeber schnell Klarheit - damit auch die Schornsteinfeger den Hausbesitzern wieder verbindliche Aussagen geben könnten.

Über dieses Thema wurde auch im aktuellen bericht vom 20.05.2019 berichtet.

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