Szenenfoto aus Kafkas "Der Bau", A. Prahl mit J. Hader und K. Klebbe (Foto: DasErste)

„Ohne den SR gäbe es diesen Kafka-Film nicht“

Das Interview führte Dieter Schmitt   23.09.2018 | 12:40 Uhr

Sonntag Nacht kam eine besondere SR-Kinokoproduktion ins Fernsehen. Kafkas "Der Bau“ von OSCAR-Regisseur Jochen Alexander Freydank. Die 110 Minuten lange Verfilmung der anspruchsvollen Erzählung ist 00.20 Uhr im Ersten gelaufen. Der Film wurde Anfang 2013 fast komplett im Saarland gedreht. Gut fünf Jahre danach ist die Erinnerung daran bei dem OSCAR-Regisseur noch immer lebendig. Und er ist vor allem dem SR nach wie vor für die Unterstützung sehr dankbar.

Herr Freydank, das war ein ziemlich kalter Winter damals.

„Es waren oft minus zehn Grad und die Sonne schien meiner Erinnerung nach während unserer Dreharbeiten nicht einen Tag. Wir haben den Film auf dem ehemaligen Gelände der Industriekultur Saar in Göttelborn, im Weltkulturerbe Völklinger Hütte und einen halben Tag in Luxemburg gedreht. Zwei Monate mit maximal vier Stunden Schlaf - das war eine physische Grenzerfahrung, die man nur überstehen kann, wenn man sich sagt: Diesen Film will ich genauso haben! Das kann und möchte man nicht bei jedem Film machen.“

Sie haben zehn Jahre lang an Ihrem Herzensprojekt gearbeitet, waren für Drehbuch, Regie und als Produzent des Filmes gleichermaßen verantwortlich. Hört sich schon wie eine Obsession an, oder?

„Es können auch mehr als zehn Jahre gewesen sein. Mir war es wichtig zu zeigen, dass es für so einen Stoff eine heutige Ästhetik gibt. Kafka muss man nicht in schwarz/weiss, in Prag und auf Kopfstein-Pflaster verfilmen. Dass ich die Original-Sprache beibehalten habe, war meine Verbeugung vor Kafka. Das machte die Finanzierung allerdings nicht gerade einfacher. Ich habe schließlich beim Saarländischen Rundfunk in Tatort-Redakteur Christian Bauer und Kommunikations­chef Peter Meyer Verbündete gefunden, die mit mir an das Projekt geglaubt haben. Mit großem Engagement kamen dann die Kooperationen mit ARTE, dem Bayerischen Rundfunk, die Förderung durch Saarland Medien, Saartoto, Deutscher Filmförderfonds und Nordmedia zustande. Ohne den SR gäbe es diesen Film nicht.“

Was hat Sie so an der Kafka-Thematik fasziniert?

„Diese Kafka-Erzählung ist eine Parabel darauf, dass Abschottung und Abgrenzung eine Illusion sind, dass man Prozesse kaum aufhalten kann, wenn man sich einigelt, Mauern baut. Der Film kam 2015 in die Kinos, wenige Tage bevor das Wort „Flüchtlings­krise“ erfunden wurde. Wir waren sozusagen die Ersten oder auch etwas zu früh. In meinem Film geht es auch um die Frage, wie weit der Wunsch nach Sicherheit und Überwachung gehen darf, da gibt es eben keine einfachen Antworten und dieser Film will auch keine einfachen Antworten geben“

Hauptdarsteller Axel Prahl – sonst im Münsteraner „Tatort“ munter schnoddrig unterwegs, jetzt im Anzug im Kafka-Sprechstil – war dafür der Richtige?

„Axel Prahl ist ein großartiger Schauspieler und ich bin froh, dass er mir für diesen Film zugesagt hat. Es war eine faszinierende Zusammenarbeit mit ihm. Die Rolle ist hochkomplex und fordernd und Axel Prahl war für mich der ideale Darsteller dafür. Mit brillanten Schauspielern wie ihm zusammen zu arbeiten, ist das Tollste an meinem Beruf. So eine intensive Zusammenarbeit an einer Rolle ist etwas, was bleibt. Aber nicht nur Axel war dabei. Auch Josef Hader, Kristina Klebe, Devid Striesow, Robert Stadlober und Roeland Wiesnekker waren an Bord und auch ihnen bin ich sehr dankbar für die großartige Arbeit, wie auch meinem ganzen Team.“

SR-Kinokoproduktion "Kafkas Der Bau"
Die SR-Kinokoproduktion "Kafkas Der Bau" von OSCAR-Regisseur Jochen Alexander Freydank lief am Sonntag, 23. September, 00.20 Uhr, im Ersten. Der Film, dem die anspruchsvolle Erzählung "Der Bau" von Franz Kafka zugrunde liegt, wurde fast komplett im Saarland gedreht, so zum Beispiel auf dem ehemaligen Gelände der Industriekultur Saar (IKS) in Göttelborn und im Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

Wie lief es nach den Dreharbeiten bei den internationalen Festivals?

„Weltpremiere hatten wir in Busan, Südkorea, einem der renommiertesten Filmfestivals Asiens, gefolgt von der Europapremiere auf dem Filmfestival Warschau, ebenfalls einem A-Festival. Deutschlandpremiere war im Saarland – auf dem Saarbrücker Festival Max Ophüls Preis. Der Film war außerdem auf den Filmfestivals in Shanghai, Edinburgh oder auf Festivals in Italien, Tschechien und den USA nominiert, gewann auch einen Preis - das ist natürlich bei einem Herzprojekt wie diesem unglaublich erfreulich. Es war faszinierend zu sehen, wie universell und zeitlos dieser Stoff war und ist und dass er auch in anderen Ländern ein begeistertes Publikum findet. Auch im Kino lief der Film 2015 verblüffend gut – auch wenn er fast ohne Werbung und im Hochsommer startete.

Jetzt also „Kafkas Der Bau“ endlich im Fernsehen – im Ersten. Was wünschen Sie dem Film?

„Ich mache Filme fürs Publikum und wünsche mir, dass der Film auch im TV viele Zuschauer erreicht und bewegt. Ob bei der Ausstrahlung oder in der Mediathek. Vielleicht nimmt man dann ja auch mal wieder ein Kafka-Buch aus dem Regal.“

Vielen Dank für das Gespräch.

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