Jugendliche sitzen mit Abstand zusammen und diskutieren (Foto: juz united)

Jugendverbände kritisieren "Sündenbock-Image"

Frederic Graus   24.04.2021 | 14:07 Uhr

Die Corona-Pandemie stellt viele junge Menschen vor große Herausforderungen. Sie fühlen sich zunehmend belastet und von der Politik im Stich gelassen. Der Verband saarländischer Jugendzentren „juz united“ und der Landesjugendring im Saarland wollen, dass die Sorgen junger Leute stärker wahrgenommen werden.

Konzerte, Partys oder einmalige Erlebnisse wie Abiturfeiern – all das fällt Corona-bedingt flach. Dass junge Menschen zurzeit auf vieles verzichten müssen, das wird in der öffentlichen Debatte rund um die Corona-Maßnahmen kaum thematisiert, geschweige denn anerkannt. Und das führt zu viel Verdruss.

Mangelndes Vertrauen in die Jugend

Jonas, 19 Jahre alt und zurzeit in Ausbildung, kann nicht nachvollziehen, wieso jungen Menschen wenig bis gar kein Vertrauen geschenkt wird. Er erlebt viele in seiner Altersgruppe als verantwortungsbewusst und erhofft sich von der Politik wieder mehr Möglichkeiten für die Arbeit der Jugendzentren. Denn bei privaten Problemen sei man zurzeit „quasi auf sich allein gestellt“.

Wie es Jugendlichen in der Corona-Zeit ergeht
Audio [SR 2, Frederic Graus, 23.04.2021, Länge: 02:47 Min.]
Wie es Jugendlichen in der Corona-Zeit ergeht

Tobias Drumm arbeitet als Sozialpädagoge beim Verband saarländischer Jugendzentren „juz united“ und betreut junge Menschen in allen Lebenslagen. Für die sei das Wegbrechen sozialer Kontakte viel einschneidender als für Erwachsene, sagt er. Kinder und Jugendliche befinden sich laut Drumm in einer Lebensphase, in der sie ihre eigene Identität ausbilden und die eigene Rolle in der Gesellschaft erst noch finden müssen – das funktioniere nur in der Auseinandersetzung mit Gleichaltrigen.

„Problemfaktor“ Jugend

Dass junge Leute als sogenannte „Pandemietreiber“ wahrgenommen werden – Drumm kann das nicht verstehen. Der Eindruck, dass sich Jugendliche weniger an Corona-Maßnahmen hielten, könne er nicht bestätigen. Sowohl unter jungen Menschen als auch unter Erwachsenen gebe es Leute, die sich „sehr streng an die Maßnahmen“ hielten oder diese „eher lockerer“ interpretierten.

Eine Ansicht, die auch Fabienne Eli teilt. Sie sitzt im Vorstand des Landesjugendrings Saar und kritisiert das „Sündenbock-Image“, das der Jugend derzeit anhafte. Wenn sich junge Menschen im öffentlichen Raum treffen, so Eli, sei das ein „Schrei nach mehr Öffnungsschritten“ – das werde von der Politik aber nicht gesehen.

Zudem würden Kinder und Jugendliche sehr stark auf ihr Schüler-Dasein beschränkt. Junge Menschen würden sich aber, besonders im Saarland, stark in Vereinen engagieren. Der Kontakt zu Freunden und Ansprechpartner dort sei durch die derzeitigen Maßnahmen nur sehr begrenzt möglich, was vielen Kindern und Jugendlichen Probleme bereite.

Mehr Perspektiven gefordert

Die fehlenden Begegnungen und Gespräche sind ein großes Problem, sagen Drumm und Eli. Denn der Ausgleich zum Stress in Schule, Uni und Beruf fehle extrem.

Das erlebt auch Lana so. Die 22-jährige Studentin sieht die Impfpolitik der Regierung kritisch: Junge Menschen bekämen erst als letzte Bevölkerungsgruppe die Chance auf „ein normales Leben“. Sie fordert mehr Beachtung für die Jugendarbeit. Dort müsse es mehr Öffnungsperspektiven und Möglichkeiten für Begegnungen geben.

Über dieses Thema hat auch die "Bilanz am Abend" auf SR 2 KulturRadio am 21.04.2021 berichtet.

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