Das französische Atomkraftwerk in Cattenom. (Foto: dpa)

Aufklärung zu möglichen Rissen in Reaktor gefordert

Lisa Huth / Onlinefassung: Anne Staut   15.04.2022 | 08:41 Uhr

Nach der luxemburgischen Regierung hat sich auch Saar-Umweltminister Jost zu den möglichen Rissen in Cattenom geäußert. Auch er fordert Aufklärung. Der betroffene Reaktor ist derzeit nicht in Betrieb.

Im dritten Reaktor im Atomkraftwerk Cattenom gibt es möglicherweise Risse. Auf Anfrage des SR teilte der saarländische Umweltminister Reinhold Jost (SPD) mit, er habe Cattenom-Direktor Jérôme Le Saint um die Ergebnisse der neuerlichen Untersuchungen gebeten. Er werde jetzt noch einmal nachfassen.

Das Atomkraftwerk hat unterdessen auf SR-Anfrage mitgeteilt, dass bisher keine Risse festgestellt worden seien. Es habe lediglich "Hinweise" auf Risse gegeben. Zunächst müssten weitere Untersuchungen gemacht werden.

Jost hält Laufzeitverlängerung für nicht vertretbar

Jost hatte sich vor gut 14 Tagen in Saarbrücken mit Cattenom-Direktor Le Saint getroffen. Damals habe Jost ihn auf Materialermüdung angesprochen und gesagt, aus seiner Sicht sei eine Laufzeitverlängerung der Blöcke nicht vertretbar.

Er halte eine Nachrüstung auf den "Stand der Technik" für nicht möglich. Le Saint habe hingegen auf die hohen Sicherheitsanforderungen hingewiesen, die ein Reaktor bei den Zehnjahresinspektionen erfüllen müsse.

Hinweise auf Spannungskorrosion

Dem dritten Reaktor in Cattenom wurde voriges Jahr nach eben jener Zehnjahresrevision - von der Atomaufsicht ASN die Laufzeitverlängerung auf 40 Jahre genehmigt. Danach waren bei der Überprüfung anderer Reaktoren Hinweise auf Spannungskorrosion mitgeteilt worden.

Spannungskorrosion bedeutet, dass Rost in Verbindung mit Zugspannung zum Zerreißen eines Werkstoffs führen kann. Im AKW Civeau wurden sie in einem Rohrleitungssystem unterhalb eines Reaktorkessels von Block 1 entdeckt. Wie die EDF dem SR miteilte, sind die AKW Civaux festgestellten Risse zwischen 0,75 und 5,6 Millimeter tief. Die Rohre selbst seien 300 Millimeter dick. Der Rost schreite nur sehr langsam voran.

Luxemburg fordert Antworten

Nachdem die Risse im AKW Civeau entdeckt worden waren, wurden auch Überprüfungen mehrerer anderer AKW beschlossen. In der Folge wurde auch Block 3 in Cattenom in der Nacht vom 25. auf den 26. März zur Überprüfung still gelegt. Das Newsportal montelnews.com zitierte nun Gewerkschaftskreise, nach denen auch in Block 3 Risse festgestellt worden seien.

Die luxemburgische Regierung zeigte sich am Donnerstag besorgt und forderte Antworten von der französischen Atomaufsicht.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 15.04.2022 berichtet.

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