Bildmontage: Symbolhaftes Teströrchen mit der Aufschrift Covid-19 positiv hinter einer Saarlandkarte (Foto: picture alliance/Weber/Eibner-Pressefoto, SR)

Jede zweite Saar-Kommune unter 50er-Inzidenz

Melina Miller   18.02.2021 | 12:19 Uhr

Die Sieben-Tage-Inzidenzen in den saarländischen Kommunen sind weiter gesunken. Jede zweite Gemeinde liegt aktuell unter einem Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, jede dritte sogar unter einem Wert von 35. Insgesamt hat die Zahl der Neuinfektionen im Saarland um rund ein Drittel im Vergleich zur Vorwoche abgenommen.

In 26 Kommunen im Saarland liegt die Sieben-Tage-Inzidenz aktuell unter 50, in vielen davon sogar unter 35. Dabei reichen gerade in kleinen Orten mit geringer Einwohnerzahl oft nur einige wenige Fälle, um einen Unterschied zwischen der 35er- und 50er-Inzidenz zu machen.

Das zeigt sich am Beispiel Perl: Bereits zwei Fälle mehr oder weniger pro Woche genügen dort, um die Inzidenzgrenzen zu unter- beziehungsweise überschreiten. In Püttlingen wären es vier Fälle - in der deutlich größeren Landeshauptstadt Saarbrücken hingegen schon rund 40 Fälle.

Ausbrüche in Heimen

Die meisten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage gab es in Losheim am See. Die Inzidenz liegt dort bei knapp 218 - der einzige Wert über 200 saarlandweit. In einer Seniorenresidenz seien dort gehäuft Coronafälle aufgetreten, teilte ein Sprecher der Gemeinde mit.

Auch in Eppelborn ist die Inzidenz mit 199 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner vergleichsweise hoch. Die Gemeinde liegt nach wie vor auf dem zweiten Platz im Saarland-Vergleich. Grund dafür sei immer noch der Coronaausbruch in einer Einrichtung für Menschen mit Beeinträchtigung, teilte eine Sprecherin des Landkreises Neunkirchen mit. Mehr als 130 Personen wurden dort positiv auf das Coronavirus getestet.

Erster Landkreis wieder unter 35

Kein einziger neuer Coronafall wurde dagegen in Gersheim und Kirkel in den letzten sieben Tagen gemeldet. Beide Orte liegen im Saarpfalz-Kreis, der in dieser Woche erstmals seit Oktober einen Inzidenzwert von unter 35 vermeldete. Der Sieben-Tage-Wert liegt dort aktuell bei knapp 34 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner.

Landrat Theophil Gallo (SPD) warnte allerdings auch vor dem Risiko durch die Virus-Mutationen: "Wir dürfen uns jetzt nicht in trügerischer Sicherheit wiegen. Es handelt sich um einen Wert, der morgen schon wieder ganz anders aussehen kann – leider. Wir wissen insbesondere nicht, wie sich die bisher bekannten Mutationen und deren Eintrag ins Kreisgebiet konkret auswirken werden."

Mutanten könnten Erfolg gefährden

Auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befürchten, dass die Virus-Mutationen die sinkenden Inzidenzen gefährden könnten. Vor allem die erstmals in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7 gilt als ansteckender als das ursprüngliche Virus und verbreitet sich in Deutschland rasch.

Das Problem: Der R-Wert liegt bei der Mutante höher als bei der ursprünglichen Variante, wie unter anderem Studien aus Großbritannien zeigen. Um 0,4 bis 0,7 Punkte erhöht die Mutante B.1.1.7 demnach diesen Wert, der angibt, wie viele Menschen eine infizierte Person durchschnittlich ansteckt. Liegt der R-Wert über 1, steigen die Fallzahlen wieder. Das heißt konkret: Die Mutationen führen bei gleichbleibenden Maßnahmen zu mehr Neuinfektionen.

Starkes Wachstum von B.1.1.7

Aktuell entfallen nach Angaben des Robert Koch-Instituts bundesweit über 22 Prozent der untersuchten positiven Proben auf die Mutante. Vor zwei Wochen waren es noch sechs Prozent.

Im Saarland gibt es über die Zunahme der Virusmutanten bisher keine zuverlässige Gesamtstatistik seitens des Gesundheitsministeriums. Bekannt ist allerdings, dass in bisher 155 Fällen (Stand 17.02.2021) eine Mutante des Coronavirus festgestellt wurde.


Inzidenzwert richtig einordnen

In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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