Rechtsanwalt Walter Teusch (Foto: Imago/BeckerBredel)

"Der Rechtsstaat hat hier funktioniert"

Thomas Gerber   30.09.2021 | 06:30 Uhr

Vor 20 Jahren ist der fünfjährige Pascal aus Saarbrücken spurlos verschwunden. Es folgte einer der größten Prozesse des Landes um Mord und sexuellen Missbrauch, der letztlich mit Freisprüchen endete. Der damalige Verteidiger der Hauptangeklagten Tosa-Wirtin Christa W., Walter Teusch, sieht hierin einen Erfolg des Rechtsstaates in Deutschland.

SR: 20 Jahre liegt das Verschwinden von Pascal zurück. Der anschließende Prozess gegen die Beschuldigten endete mit einem Freispruch. Herr Teusch, war es der Prozess ihres Lebens?

Walter Teusch: Es war nicht der Prozess meines Lebens. Aber es war einer der großen Prozesse. Er hat mir sehr, sehr viel gebracht. Er hat mir sehr viele Erkenntnisse gebracht.

SR: Was war denn Ihr Lerneffekt?

Teusch: Mein Lerneffekt war, dass unser Rechtsstaat funktioniert. Wir hatten ganz am Anfang eine Vorverurteilung all dieser Menschen, die Schlimmstes getan haben sollen.

Es war ein langer, aufwendiger Prozess, der letztendlich versucht hat, bis ins Kleinste hinein aufzuklären. Es konnte nicht alles aufgeklärt werden. Aber, dass man es versucht hat und dass die Rechtsstaatlichkeit hier gesiegt hat, das war für mich das Entscheidende.

SR: Zum Rechtsstaat gehört auch eine Staatsanwaltschaft. Wie sehen Sie denn deren Rolle in dem Prozess? War das die 'objektivste Behörde der Welt', wie sie sich gerne selbst bezeichnet?

Teusch: Das war in diesem Fall nicht so. Aber das heißt nicht, dass der Rechtsstaat deswegen nicht funktioniert hat. Die Staatsanwaltschaft hatte eine bestimmte Überzeugung. Und das gehört auch dazu.

Aber das Gericht hat das getan, was in dieser Situation zu tun war. Und das ist für mich die Rechtsstaatlichkeit.

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