Trader (Foto: SR)

Schlag gegen Cyberkriminelle

Caroline Uhl   28.02.2019 | 15:20 Uhr

Unter Federführung der saarländischen Ermittlungsbehörden ist der Polizei ein Schlag gegen organisierte Internet-Kriminalität gelungen. Eine europaweit agierende Bande soll von arglosen Kunden alleine in Österreich 100 Millionen Euro pro Jahr erbeutet haben. Hinzu kommt der öffentlich bislang nicht bezifferte Schaden, der Anlegern aus Deutschland und anderen Ländern entstanden ist.

Die Bande soll Tausende Kunden aus ganz Europa mit gezinkten Finanzwetten um ihr Erspartes gebracht haben. Abgewickelt wurden die Transaktionen über eine Reihe von Internet-Plattformen mit Namen wie beispielsweise "XTraderFX", "Optionstars" oder "Goldenmarkets".

Laut den Ermittlern des österreichischen Bundeskriminalamts (BKA) hatten die Betrüger im Hintergrund eine Software installiert, die dafür sorgte, "dass bei diesem Spiel nur einer gewinnt, und das war nicht der Kunde, das Opfer, sondern das war der Täter, der Betreiber dieser Homepage", sagt der Leiter der Abteilung für Wirtschaftskriminalität beim Wiener BKA, Manuel Scherscher. Nach und nach verloren die Kunden bei den vorgegaukelten Wettgeschäften also all ihr eingesetztes Geld. Über Tarn- und Scheinfirmen hat die Bande die ergaunerten Kundengelder nach Auffassung der Ermittler dann gewaschen.

Schlag gegen Cyberkriminelle - auch saarländische Staatsanwaltschaft beteiligt
Audio [SR 3, Carolin Uhl, 01.03.2019, Länge: 02:56 Min.]
Schlag gegen Cyberkriminelle - auch saarländische Staatsanwaltschaft beteiligt

Österreichische und saarländische Beamte hatten eine Ermittlungsgruppe gegründet und waren seit Monaten der internationalen Bande auf den Fersen. Auch die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt. Sie bestätigte gegenüber dem SR Ermittlungen wegen des Verdachts des Betruges, der Geldwäsche und des Verstoßes gegen das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG). Die Saarbrücker Staatsanwaltschaft wollte sich "aus Gründen des Verfahrensschutzes" nicht äußern.

"Konzernartige Strukturen"

Nach Informationen des österreichischen BKAs war die Bande offenbar sehr feingliedrig und arbeitsteilig organisiert. Die Rede ist von "konzernartigen Strukturen". So habe es beispielsweise Firmen gegeben, die die eingesetzte Betrugssoftware entwickelten und sogar weiterverkauften, "an Interessenten für kriminelle Machenschaften", wie es beim Wiener BKA heißt. In Bulgarien betrieb die Bande demnach ein Call-Center, deren Mitarbeiter dafür zuständig waren, Leute anzuwerben und zu immer neuen Einzahlungen zu überreden. Hinzu kamen außerdem die Tarn- oder Scheinfirmen zum Zweck der Geldwäsche.

Insgesamt schätzen die Wiener Beamten die Zahl der in den Firmen Involvierten auf mehrere hundert Personen. Die eigentlichen Drahtzieher sind aber wohl nur einige wenige.

Durchsuchungen in mehreren Ländern

In den vergangenen Wochen hatten die Ermittler in mehreren Ländern insgesamt 21 Firmen und vier Wohnungen durchsucht. Auch im Saarland gab es nach SR-Informationen eine Razzia bei einem mutmaßlichen Handlanger der Bande. Jetzt müssen die Ermittler mehrere Terabyte-Daten sowie Geschäftsunterlagen auswerten. Ein aufwendiges Unterfangen.

Über dieses Thema wurde auch in der SR3-Rundschau vom 28.02.2019 berichtet.

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