Flüchtlinge und Helfer sitzen in einer Begegnungsstätte für Geflüchtete und Deutsche beisammen. (Foto: picture alliance / ZB / Sebastian Willnow)

Persönlichkeit für Integration wichtiger als Religion

Leonie Rottmann   21.05.2019 | 13:57 Uhr

Wie gut sich Geflüchtete in die Gesellschaft integrieren, hängt von ihrer Persönlichkeit ab. Eine Studie hat ergeben, dass risikobereite Flüchtlinge zum Beispiel schneller Arbeit und mehr Kontakte zu Einheimischen finden. Die Religion spielt laut Studie keine entscheidende Rolle.

Geflüchtete, die stärker als andere davon überzeugt sind, das eigene Leben im Griff zu haben und eher Gefälligkeiten anderer erwidern, integrieren sich schneller in die Gesellschaft. Laut der Studie, an der auch die Saar-Uni beteiligt war, haben diese Schutzsuchenden mehr Freunde und ein stärkeres Selbstbewusstsein.

Zudem seien sie trotz der häufig traumatischen Erlebnisse auf der Flucht zufriedener und gesünder. „Wenn Menschen davon überzeugt sind, auf ihr Schicksal Einfluss nehmen zu können, haben sie einen viel größeren Handlungsspielraum als wenn sie glauben, den Umständen ausgeliefert zu sein“, sagt David Richter vom Sozio-ökonomischen Panel am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin.

„Die Religionszugehörigkeit zum islamischen oder christlichen Glauben stand in keinem Zusammenhang mit dem Ausmaß der Integration“, sagt Studienautorin Mitja Back von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Das widerspreche gängigen Vorurteilen der Gesellschaft.

Viele Faktoren beeinflussen Integration

„Unsere Studie belegt erstmals, dass neben sozio-demografischen Faktoren auch individuelle Persönlichkeitsmerkmale eine wichtige Rolle für eine gelingende Integration spielen“, sagt die Psychologin Elisabeth Hahn von der Universität des Saarlandes, die an der Studie mitgewirkt hat. Deshalb fordern die Autorinnen und Autoren, die individuellen Persönlichkeitsmerkmale der Geflüchteten in Integrationsprogrammen zu berücksichtigen.

Die Studie bestätigt außerdem einige Ergebnisse aus früheren Studien zur Integration von Zugewanderten, nämlich dass sie sich leichter integrieren, wenn sie länger in Deutschland leben. Bessere Sprachkenntnisse, gute Bildung und das Geschlecht seien Einflussfaktoren auf eine erfolgreiche Integration. Geflüchtete Frauen seien zum Beispiel seltener erwerbstätig und hätten weniger soziale Kontakte.

Zur Datenbasis

Die Daten basieren auf der größten repräsentativen Befragung von Flüchtlingen, die in den Jahren 2013 bis 2016 nach Deutschland gekommen sind. Über 4000 Flüchtlinge, die im Schnitt seit eineinhalb Jahren in Deutschland leben, haben daran teilgenommen.

Wissenschaftler des „Sozio-ökonomischen Panels“ am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin haben gemeinsam mit Forscherinnen und Forschern der Universität des Saarlandes und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster diese Daten ausgewertet.

Die Studie ist auf der Internetseite der University of California abrufbar, in englischer Sprache.

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