Informatiker Paul Strohmeier (Foto: Pressefoto/Universität des Saarlandes)

Informatiker macht virtuelle Effekte fühlbar

Marie Kotzian   10.05.2020 | 16:38 Uhr

Weiches Moos unter den Füßen oder morsche Äste, die zerbrechen: Eindrücke wie diese werden über den Tastsinn wahrgenommen und sind digitalen Welten bislang verwehrt geblieben. Der Saarländer Paul Strohmeier hat ein Verfahren entwickelt, das solche Sinneseindrücke jetzt künstlich erzeugen kann.

Paul Strohmeier, Informatiker an der Universität des Saarlandes, hat es mit einer neuen Technik geschafft, virtuelle Effekte über Schuhe fühlbar zu machen. Dabei werden Vibrationsimpulse im Millisekunden-Bereich genau auf die Bewegung einer Person abgestimmt. So werden die Impulse als Eigenschaft des Materials und nicht mehr als Vibration wahrgenommen.

„Auf diese Weise kann man verschiedene Eindrücke des Tastsinns hervorrufen, beispielsweise eine Reibung oder das Gefühl für bestimmte Oberflächenstrukturen“, so Strohmeier. Durch das neue Verfahren können auch Gewicht oder Widerstand künstlich erzeugt werden.

„Virtual Reality wird vereinfacht“

Zusammen mit Studierenden der Universität des Saarlandes arbeitet Strohmeier momentan an Schuhen, in denen die Technik verbaut ist. Sie können unter anderem in der virtuellen Realität (VR) eingesetzt werden.

„Mit den Schuhen wird es möglich sein, auch den Tastsinn oder die Bewegungsempfindung anzusprechen. Ginge man damit zum Beispiel einen Kiesweg entlang, könnte man den steinigen Bodenbelag unter den Füßen spüren“, so Strohmeier.

Das neue Verfahren könnte außerdem Dinge erfahrbar machen, die für Menschen eigentlich nicht wahrnehmbar sind. Würde man die Technik mit Sensoren verbinden, könnte der Nutzer laut Strohmeier beispielsweise einen Widerstand spüren, wenn er sich einem giftigen, aber geruchlosen Gas nähert.

Dissertation mit renommiertem Preis ausgezeichnet

Seit Juli 2019 forscht Strohmeier an der Universität des Saarlandes zu dem Thema. In seiner Doktorarbeit leistete er die Grundlagenforschung für seine neue Entwicklung. Dafür wurde er vor kurzem mit dem „Outstanding Dissertation Award“ ausgezeichnet. Der Preis gilt als eine der renommiertesten Auszeichnungen für Doktorarbeiten dieses Forschungsfeldes.

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