Ein Kind läuft auf dem Flur einer Kita (Foto: dpa/Bildfunk - Sebastian Kahnert)

Infektionsgeschehen in Kitas - Rolle von Kleinkindern unklar

Melina Miller   19.12.2020 | 08:55 Uhr

Seit Mittwoch sind Eltern im Saarland gebeten, ihre Kinder aufgrund der bundesweit steigenden Infektionszahlen nicht mehr in die Kindertagesstätten zu bringen. Saarlandweit haben sich zuvor nach Angaben des Gesundheitsministeriums relativ wenige Kita-Kinder nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Welche Rolle Kitas im Infektionsgeschehen spielen, ist aber trotz einer Studie des RKI nicht abschließend geklärt.

Zu Beginn des angeordneten Lockdowns am Mittwoch befanden sich laut Ministerium 819 saarländische Kita-Kinder durch Teilschließungen und Komplettschließungen ihrer Einrichtungen in angeordneter Quarantäne. Das sind rund 2,2 Prozent aller Kita- und Krippen-Kinder im Saarland (rund 37.000). Knapp fünf Prozent der saarländischen Betreuungseinrichtungen waren Mitte Dezember von infektionsbedingten Schließungen betroffen.

Positiv auf das Coronavirus getestet wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in den vergangenen vier Wochen weniger als 0,1 Prozent der Kinder in saarländischen Kinderbetreuungseinrichtungen. Wie viele Infektionen in diesem Umfeld unentdeckt bleiben, ist allerdings unklar.

0,073 Prozent in Vorwoche infiziert

Der Anteil der Corona-positiven Kita- und Krippen-Kinder befand sich in den vergangenen vier Wochen auf einem relativ stabil niedrigen Niveau. Rund 0,073 Prozent der Kinder haben sich in der Kalenderwoche 50 nachweislich mit dem Coronavirus infiziert, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. In den drei Wochen zuvor lagen die Werte ebenfalls zwischen 0,068 und 0,076 Prozent. Der Anteil der positiv getesteten Erzieher und Erzieherinnen im Saarland lag in dem betrachteten Zeitraum im niedrigen Promillebereich zwischen 0,45 Prozent (KW 47) und 0,27 Prozent (KW 49).

Corona-Kita-Studie des RKI

Auch wenn die Infektionszahlen bei Kita-Kindern im Saarland auf den ersten Blick relativ gering scheinen, ist in der Wissenschaft weiterhin umstritten, welche Rolle Kindertagesstätten und Betreuungseinrichtungen in Infektionsgeschehen spielen. In einer groß angelegten "Corona-Kita-Studie" versucht das Robert Koch Institut zusammen mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) deshalb herauszufinden, wie sich Kinder in der Kindertagesbetreuung auf die Corona-Pandemie auswirken. Eine der Erkenntnisse: Das Infektionsgeschehen in Kitas folgt der Infektionsdynamik in der Gesamtbevölkerung.

Mehr Infektionen von außen?

Insgesamt wurden dem RKI laut Quartalsbericht der Studie seit Beginn der Pandemie deutschlandweit 369 Covid-19-Ausbrüche mit dem wahrscheinlichen Infektionsumfeld "Kindergarten, Hort“ übermittelt (Datenstand 30.11.). Mit den steigenden Neuinfektionen in der Bevölkerung seien auch die Infektionen in den Kitas seit Anfang Oktober gestiegen.

Vermutlich seien in dieser Zeit auch mehr Infektionen von außen in die Kitas getragen worden, so die Begründung des RKI. Außerdem gab es bereits seit Ende August mehr Kita-/Hort-Ausbrüche. Das könnte damit zusammenhängen, dass wieder mehr Eltern ihre Kinder in Beutreuungseinrichtungen gebracht haben.

In den Novemberwochen lag der Anteil der 0-5-Jährigen, die positiv auf das Virus getestet wurden, an allen gemeldeten Infektionen bundesweit im Schnitt bei 2,4 Prozent. Im Saarland lag der Durchschnitt nach Angaben des RKI mit drei Prozent leicht darüber. Zum Vergleich: Die Altersgruppe der 0-5-Jährigen hat im Saarland einen Anteil von fünf Prozent an der Gesamtbevölkerung, bundesweit sind es 5,7 Prozent.

Infektiosität umstritten

Das RKI betont, dass es unterschiedliche wissenschaftliche Erkenntnisse zur Infektiosität von Kindern gibt: "Bisher gibt es nur wenige aussagekräftige publizierte Studien, die die Infektiosität von Kleinkindern untersucht haben - mit insgesamt heterogenen Ergebnissen. Aus unserer Sicht ist allerdings zum jetzigen Zeitpunkt das von Kindern unter zehn Jahren ausgehende Übertragungspotenzial nicht abschließend geklärt."

Eine Studie, die die Virologie der Berliner Charité rund um Christian Drosten im April veröffentlicht und im Juni bestätigt hat, kam zum Beispiel zu dem Ergebnis, dass Kinder durchaus ähnlich infektiös wie Erwachsene sein könnten. Auch die australische Wissenschaftlerin Zoe Hyde stellte in einer Studie fest, dass mit Covid-19 infizierte Kinder zwar häufig asymptomatisch seien und Infektionen deshalb möglicherweise seltener entdeckt würden, Kinder aber nicht grundsätzlich weniger infektiös seien. Als wissenschaftlich bestätigt gilt die Annahme, dass Covid-19 bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen seltener zu schweren oder gar tödlichen Verläufen führt, wie die Corona-Kita-Studie zeigt.

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