Eine Mitarbeiterin hält Spritzen mit dem Impfstoff gegen Covid-19 in der Hand. (Foto: picture alliance/dpa | Federico Gambarini)

Ärzte sehen Aufhebung der Impfpriorisierung kritisch

  18.05.2021 | 16:41 Uhr

Ab dem 7. Juni soll auch im Saarland die Impf-Priorisierung wegfallen. Die Kassenärztliche Vereinigung sieht das aber skeptisch. Dafür gebe es nicht genügend Impfstoff. Außerdem gebe es bereits jetzt viele Diskussionen mit Menschen, die sich unbedingt vor den Ferien impfen lassen wollten, um in Urlaub fahren zu können.

Wenn am 7. Juni bundesweit die Impfpriorisierung wegfällt, dann können sich auch im Saarland alle Menschen zu einem Impftermin anmelden, sagt Bernd Schnabel, Impfkoordinator des Saarlandes, im Gespräch mit dem SR. Das Verfahren werde dann das Gleiche sein, wie bisher. Man könne sich online zu einem Termin in den Impfzentren anmelden oder sich einen Termin in einer Arztpraxis oder beim Betriebsarzt geben lassen.

Im Mai seien die Impfstoffmengen zwar noch begrenzt. Aber ab Juni steigere sich die wöchentliche Liefermenge deutlich. "Da werden wir im Saarland pro Woche rund 60.000 Impfdosen bekommen." Mit den zusagten Mengen sei es realistisch, dass Mitte bis Ende August jeder Saarländer eine Erstimpfung haben könnte, so Schnabel.

Ärzte sind skeptisch

Die Kassenärztliche Vereinigung des Saarlandes (KV) sieht eine Aufhebung der Impfpriorisierung zum jetzigen Zeitpunkt allerdings kritisch, weil man weiterhin zu wenig Impfstoff habe. Gunter Hauptmann, der Vorsitzende der KV sagte im Gespräch mit dem SR, man habe deswegen der Landesregierung empfohlen, die Impfpriorisierung noch nicht fallen zu lassen.

KV Saarland: "Für die Massenimpfung fehlt die Liefermenge"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner, 18.05.2021, Länge: 07:36 Min.]
KV Saarland: "Für die Massenimpfung fehlt die Liefermenge"

"Im Moment gehen ja auch die Zweitimpfungen in den Praxen los", so Hauptmann. "Die müssen ja zu einem festgelegten Zeitpunkt stattfinden, und dafür brauchen wir momentan den Impfstoff. Deshalb ist in den nächsten zwei bis drei Wochen für die Erstimpfungen gar nicht genug Impfstoff da." Wenn aber zusätzlich die Priorisierung aufgehoben werde, hätte das einen Ansturm auf die Praxen zur Folge.

Diskussionen wegen Urlaubszeit

Es gebe jetzt schon Diskussionen weil Menschen sich schnell noch impfen lassen wollten, um in den Urlaub fahren zu können, berichtet Hauptmann. "Wir appellieren an die Leute, sich noch zu gedulden, bis genügend Impfstoff da ist. Aber gleichzeitig kommt von der Politik die Ansage: Wenn ihr geimpft seid, könnt ihr in Ferien fahren. Und die Leute sagen uns dann zurecht: Aber wenn ich warte, sind die Ferien rum. Diese Diskussionen sind unschön."

Es gebe jetzt schon vereinzelt Praxen, die sich aus dem Impfen zurückzögen, weil sie diese vielen Diskussionen nicht mehr führen wollten. Derzeit bieten nach KV-Angaben im Saarland rund 850 Ärzte Corona-Impfungen an.

Die Aufhebung der Impfpriorisierung sollte man erst dann machen, wenn auch wirklich genügend Impfstoff da ist, so Hauptmann.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 18.05.2021 berichtet.

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