Masern-Impfung (Foto: imago/blickwinkel)

Ein Jein zur Masern-Impfpflicht

Manuela Weichsel   26.03.2019 | 16:50 Uhr

In Deutschland häufen sich zurzeit die Masernausbrüche. Die Bundesregierung diskutiert deshalb über eine Verpflichtung zur Masern-Impfung. Die saarländische Landesregierung hat dazu bisher keine klare Position.

Hellrote, ineinanderfließende Flecken auf der Haut, starkes Fieber, geschwollene Lymphknoten: Masern sind eine potenziell tödliche Viruserkrankung. Die meisten Deutschen sind gegen die klassische Kinderkrankheit geimpft, trotzdem sind die Masern noch lange nicht ausgerottet.  In den ersten neun Wochen dieses Jahres wurden bundesweit knapp dreimal so viele Fälle gemeldet (170) wie im vergleichbaren Zeitraum 2018 (62). In der Bundesregierung wird deshalb aktuell über eine Impfpflicht diskutiert.

Auch Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) betonte gegenüber dem SR, wie wichtig Impfungen gegen Masern seien. Eine Impfpflicht zu bestimmen sei aber Bundes- und keine Ländersache. Allerdings appelliert sie an die Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen. Außerdem könne eine Kampagne sinnvoll sein. Eine Verpflichtung zum Impfen einzuführen, müsse man sich aber sehr genau überlegen.

Interview: "Für Kinder mit Immundefekt können Masern lebensbedrohlich sein"
Audio [SR 3, Interview: Michael Friemel, 26.03.2019, Länge: 03:32 Min.]
Interview: "Für Kinder mit Immundefekt können Masern lebensbedrohlich sein"

Um gegen Masern geschützt zu sein, sind zwei Impfungen notwendig. Bei der ersten Impfung sieht es laut Bachmann gut aus im Saarland: Knapp 98 Prozent der Schulanfänger seien geimpft. Bei der zweiten Impfung gebe es allerdings Nachholbedarf: "91 Prozent Auffrischung der Impfung ist mir zu wenig. Und deshalb müssen wir dort was tun", sagte Bachmann.

Benedikt Brixius vom Saarländischen Landesverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. wurde im SR-Interview etwas konkreter. Er habe zwar Bedenken bei der Umsetzung einer konkreten Impfpflicht, stellt sich allerdings die Frage, ob Kinder, die nicht zweimal geimpft wurden, überhaupt Zugang zu Gemeinschaftseinrichtungen, also Kindergärten und Schulen, haben sollten.

Lebensbedrohliche Erkrankung

"Denn wir haben Kinder, die – obwohl sie zweimal geimpft wurden – nicht ausreichend geschützt sind. Zum Beispiel Kinder mit Down-Syndrom oder Kinder mit Immundefekt. Die haben nicht unbedingt die Chance, ein ausreichendes Immunsystem gegen die Masern zu bilden. Und die sind gefährdet. Für diese Kinder ist es eine lebensbedrohliche Erkrankung und die müssen wir schützen. Da hört für mich irgendwann die Liberalität auf."

Brixius machte deutlich, wie gefährlich Masern sein können: Einer von 1000 Erkrankten bekomme davon eine Hirnentzündung, die für jeden Dritten mit dem Tod ende. Noch letztes Jahr sei eine 36-jährige Frau an Masern gestorben. Sie habe sich zwar einmal gegen Masern impfen lassen, diese aber nicht aufgefrischt.

Starke Schwankungen der Masernausbrüche

Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist es, Masern weltweit zu eliminieren. Als ausgerottet gilt eine Krankheit erst, wenn es weniger als 80 Fälle pro Jahr gibt. Wie viele Fälle von Masern gemeldet werden, schwankt von Jahr zu Jahr stark. „Jahre mit weniger Masernfällen werden von Jahren mit zum Teil ausgedehnten Ausbrüchen und vielen Masernfällen abgelöst“, heißt es auf der Seite des Robert Koch Instituts. 2015 zum Beispiel gab es besonders viele Ausbrüche: 2464 Fälle wurden gemeldet. Letztes Jahr waren es 532 Fälle.

Andere Länder mit Impfpflicht

Länder mit Impfpflicht gibt es bereits: In Italien drohen Bußgelder für Nicht-Geimpfte. In Frankreich haben Menschen, die sich bei Nicht-Geimpften angestecken und Folgeschäden davontragen, Anspruch auf Schadensersatz. Auch in Deutschland gab es bereits eine Impfpflicht: Bis 1975 musste jeder gegen Pocken geimpft werden. In der DDR wurde bis zur Wende verpflichtend durchgeimpft, auch gegen Masern.

Über dieses Thema haben auch die Hörfunknachrichten am 26.03.2019 berichtet.

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