Impfspritze (Foto: picture alliance / Fotostand | Fotostand / K. Schmitt)

Das Corona-Impfupdate für das Saarland

Thomas Braun   08.09.2021 | 06:52 Uhr

Die Impfkampagne im Saarland und bundesweit ist weiter ins Stocken geraten. Die Impfrate ist auf den niedrigsten Stand seit mehreren Monaten gesunken. Umgekehrt betrafen im August rund 85 Prozent aller neuen Coronafälle im Saarland ungeimpfte Personen.



Erneuter Tiefststand bei Erstimpfungen

In der vergangenen Woche sind im Saarland knapp 22.000 Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden, darunter knapp 7200 Personen, die ihre erste Impfung erhalten haben. Das waren rund 17 Prozent weniger Erstimpfungen als eine Woche zuvor. Nachdem sich die Entwicklung in den zwei Wochen zuvor etwas stabilisiert hatte, setzt sich der Abwärtstrend nun wieder fort.

Das Saarland steht dabei im bundesweiten Vergleich noch gut da. 72 Prozent der Bevölkerung sind mindestens einmal geimpft, knapp 68 Prozent vollständig. Nur in Bremen ist die Quote mit 76 bzw. 71,4 Prozent höher.

Wohl wieder Kontaktbeschränkungen nötig

Aus Sicht von Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes, ist die Impfquote von 70 Prozent zu niedrig. "Das klingt im ersten Moment gut, wird unseren Berechnungen nach aber nicht reichen, um wirklich ohne größere Maßnahmen durch den Herbst zu kommen", sagte Lehr. "Wir müssten dafür eigentlich Impfquoten von insgesamt 85 Prozent erreichen."

Lehr geht ähnlich wie der Virologe Christian Drosten davon aus, dass es angesichts der niedrigen Impfquote im Herbst wieder strengere Kontaktbeschränkungen geben könnte. Schon jetzt liegt die Inzidenz im Saarland so hoch wie im vergangenen Jahr erst Ende Oktober.

Über 85 Prozent der neuen Coronafälle betreffen Ungeimpfte

Angetrieben wird die Inzidenz derzeit vor allem durch Infektionen bei Personen ohne Corona-Schutzimpfung. 1932 der insgesamt 2430 neuen Coronafälle, die die saarländischen Behörden im August meldeten, waren ungeimpft, wie eine SR-Umfrage unter allen Kreisen zeigt. Der Anteil der Kinder, für die noch kein Impfstoff vorliegt, lag dabei saarlandweit etwa bei 20 Prozent.

Teilweise geimpft waren 189 Personen. Eine vollständige Impfung hatten 345 Personen, also 14,2 Prozent aller neuen Fälle, wobei es zwischen den einzelnen Landkreisen regionale Unterschiede gab.

Testpflicht-Befreiung spielt offenbar nur untergeordnete Rolle

Zwar ist durchaus anzunehmen, dass die Daten zu Coronafällen bei Geimpften und Ungeimpften etwas verzerrt sind – etwa weil geimpfte Personen bei einer Infektion häufig einen sehr milden oder sogar komplett symptomlosen Verlauf haben und deshalb ihre Infektion gar nicht erst bemerken.

Dass sie von der Testpflicht etwa beim Restaurantbesuch befreit sind, scheint hingegen nur eine geringe Rolle zu spielen. Der Landkreis Neunkirchen berichtet etwa, dass bis Ende August nur 0,09 Prozent aller Tests in den Schnelltestzentren positiv waren.

Der Großteil der Infektionen werde bei Menschen festgestellt, die sich aufgrund von Symptomen oder als Kontaktpersonen bereits Infizierter testen ließen. Zusätzlich zu den Richtlinien des RKI empfiehlt der Landkreis übrigens auch bereits geimpften engen Kontaktpersonen eines positiv Getesteten einen PCR-Test.

Wie viele Impfungen fehlen zu Zielquoten von 75 und 85 Prozent?

Um die Inzidenz und letztlich auch die Belastung des Gesundheitssystems niedrig zu halten, müssten sich im Saarland noch rund 125.000 Menschen für eine Impfung entscheiden. Dann hätten wir gemessen an der Gesamtbevölkerung eine 85-prozentige Impfquote. Für eine 75-prozentige Impfquote wären noch knapp 30.000 zusätzliche Impfungen nötig.

Derzeit sind im Saarland 88 Prozent der über 60-Jährigen vollständig geimpft, aber nur knapp 68 Prozent der 12- bis 59-Jährigen.

Aktuelle Impfempfehlungen der Stiko

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt derzeit für alle 12- bis 59-Jährigen eine Impfung mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech oder Moderna. Die Impfstoffe seien "grundsätzlich sehr wirksam und nach den vorliegenden Daten sicher", heißt es in der aktuellen Impfempfehlung. Zwar würde in seltenen Fällen eine Herzmuskel-Entzündung als Impfkomplikation auftreten, der Krankheitsverlauf sei aber meist mild.

Die beiden Vektorimpfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson empfiehlt die Stiko aufgrund von Thrombosen, die vereinzelt vor allem bei jüngeren Menschen auftraten, nur für Personen über 60 Jahren.

1254 Verdachtsfälle auf tödlichen Verlauf bei 92 Millionen Impfungen

Das für Arzneimittelsicherheit zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat bislang bundesweit 1254 Todesfälle in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung registriert. In 48 Fällen davon hält das PEI einen ursächlichen Zusammenhang mit einer Impfung für möglich oder wahrscheinlich. Demgegenüber stehen rund 92 Millionen Erst- und Zweitimpfungen in Deutschland. Im Verhältnis zu den normalerweise in Deutschland erwarteten Todesfällen hat das PEI bislang "kein Signal für eine insgesamt erhöhte Sterblichkeit" durch die Impfungen festgestellt.

Zum Vergleich: Seit Beginn der Pandemie sind dem Robert-Koch-Institut rund vier Millionen Covid-Fälle gemeldet worden. Die Zahl der Todesfälle, die an oder mit Covid gestorben sind, liegt bei rund 92.000.

Bundesweite Impfaktion am nächsten Montag

Für den kommenden Montag hat die Bundesregierung zu einer deutschlandweiten Impfaktion aufgerufen. Es gehe darum, in der Impfkampagne "gemeinsam für den nötigen Ruck zu sorgen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin.

Im Saarland laufen derzeit mehrere Sonderimpfaktionen, etwa mit Impfbussen oder an Schulen. Auch an der Uni soll zum Semesterstart Mitte Oktober eine Impfstation eröffnet werden. Die drei großen Impfzentren bieten ab Ende September keine Impftermine mehr an.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja