Ein Storch und zwei Jungstörche stehen auf einem Horst. (Foto: picture alliance/Daniel Bockwoldt/dpa)

Immer mehr Weißstörche im Saarland

Rebecca Kaiser   23.08.2020 | 08:54 Uhr

2020 ist ein hervorragendes Storchenjahr, meldet der Naturschutzbund (NABU). 19 Storchenpaare haben sich zur Brut im Saarland niedergelassen und 34 Jungvögel sind ausgeflogen. Zum ersten Mal hat sich ein Storchenpaar in Schwemlingen im Westsaarland angesiedelt.

Die meisten Brutpaare gab es im Osten des Saarlandes im Saarpfalz-Kreis, ganze elf Stück. Fünf weitere sind im Landkreis St. Wendel heimisch und zwei im Landkreis Neunkirchen. Zum ersten Mal hat ein Storchenpaar in Schwemlingen gebrütet, allerdings ohne Erfolg. Insgesamt sind in diesem Jahr 34 Jungvögel flügge geworden. Es hätten sogar deutlich mehr sein können. Laut Christoph Braunberger vom NABU haben zehn Küken einige Schlechtwettertage im Mai und Juni nicht überlebt.

Population steigt seit rund 20 Jahren

Eine Zeit lang gab es gar keine Störche mehr im Saarland, Ende der 60er galt er hier als ausgestorben. Einer der Gründe dafür war der Bau der A8, erklärt der Storchenexperte, denn sie wurde mitten durch eines der Nahrungsgebiete in Homburg-Einöd gebaut. Zudem überlebten viele der Zugvögel das Winterquartier in Westafrika nicht.

Seit 1998 siedelt sich der Weißstorch aber wieder hier an. Und seitdem ist bei der Storchenpopulation ein Aufwärtstrend zu beobachten. Waren es 2005 noch zwei Brutpaare im Saarland, brüteten 2015 schon zwölf Storchenpaare, dieses Jahr waren es 19.

Warum gibt es mehr Störche?

Dass die Population seit Jahren steigt, ist durch mehrere Faktoren bedingt. Zum einen fliegen immer mehr Brutpaare zur Überwinterung nicht mehr nach Westafrika, sondern nur noch bis nach Spanien. Dort gibt es für die Störche ein größeres Nahrungsangebot als in Afrika. Da die großflächigen Mülldeponien Ratten anziehen, finden die Vögel auch mehr zu fressen, erklärt Christoph Braunberger vom NABU. Und so kehren auch im Frühjahr wieder mehr Vögel zurück.

Auf der Speiseliste von Störchen stehen übrigens nicht überwiegend Frösche, Amphibien machen laut Storchenexperte Braunberger weniger als 20 Prozent aus. Mäuse, Ratten, Heuschrecken, gelegentlich eine junge Stockente und für die Jungvögel Regenwürmer – all das landet im Storchenschabel.

Viele Störche überwintern im Saarland

Ein Drittel der Population fliegt zur Überwinterung sogar überhaupt nicht mehr weg. Ältere Vögel bleiben meist im Bliestal und damit in der Nähe ihrer Brutstätten. Da die Winter nicht mehr so kalt sind, können die Vögel auch hier gut überwintern. Wird es doch mal überraschend kalt, fliegen die Tiere nach Frankreich, sagt Braunberger.

Unterstützung durch den Menschen

Zum anderen geht die steigende Zahl auch auf die Unterstützung durch den Menschen zurück. So wurden Nistmöglichkeiten für den Storch eingerichtet – oft in Form von Plattformen auf alten Elektromasten.

Zudem wurden Feuchtgebiete geschaffen, ein wichtiger Nahrungs- und Lebensraum. Ein Beispiel und gleichzeitig eines der bedeutendsten Gebiete ist laut Braunberger der „Beeder Bruch“, in dem heute auch Wasserbüffel zuhause sind. Hier hat sich 1998 auch wieder das erste Storchenpaar zur Brut niedergelassen.

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