Ordner mit der Aufschrift Rechnungen und Mahnungen (Foto: IMAGO / Panthermedia)

Immer mehr Menschen brauchen Schuldnerberatung

Maximilian Friedrich   14.03.2023 | 06:24 Uhr

Aufgrund der gestiegenen Preise müssen immer mehr Menschen eine Schuldnerberatung in Anspruch nehmen. Die stark gestiegene Nachfrage kann von den Anbietern aber kaum noch gestemmt werden. Die Wartezeiten für eine Beratung sind bundesweit lang, auch im Saarland.

Ob an der Tankstelle, im Supermarkt oder im Haushalt, das Leben wird teurer. Das merken momentan besonders die Schuldnerberatungen im ganzen Land – auch bei der Caritas in Saarbrücken. Dort bekommen Menschen Hilfe, denen beispielsweise die Konten gesperrt werden oder die mit einem Berg von Mahnungen zu kämpfen haben.

Das Besondere bei den Wohlfahrtsverbänden im Saarland ist, dass sie jeden kostenlos beraten. Im Rest Deutschlands gibt es diese kostenfreie Schuldnerberatung nur für Menschen, die Bürgergeld beziehen. Deshalb fordern die Wohlfahrtsverbände jetzt ein Recht auf Beratung für jeden.

Video [aktueller bericht, 13.03.2023, Länge: 3:35 Min.]
Schuldnerberatung stark nachgefragt

Kostenlose Beratung für alle gefordert

"Es gibt viele Beratungsstellen, weniger hier im Saarland aber anderswo in Deutschland, die von Sozialleistungsträgern finanziert werden und die deshalb nur Sozialleistungsbezieher beraten können“, sagt Caritas-Schuldnerberater Martin Langenbahn. Hätten alle Einkommensgruppen Anspruch auf eine Beratung, wäre bundesweit eine bessere, flächendeckendere Versorgung mit kostenloser Schuldnerberatung für alle möglich."

Das wäre laut Langenbahn im Saarland vor allem mit Blick auf die Wartezeiten wichtig. Es gibt bei der Caritas zwar schnelle erste Hilfe, wenn ein Konto gepfändet wurde, bis zum ausführlichen Beratungsgespräch könne es aber über ein halbes Jahr dauern. Das sei vor allem deshalb problematisch, weil immer mehr Menschen Beratungen nachfragten.

Arbeitslosigkeit, Krankheit und Scheidung oft Ursache

Überschuldung hat, so der Schuldnerberater, in den wenigsten Fällen damit zu tun, dass Leute nicht mit Geld umgehen können. Das sei ein weit verbreiteter Irrglaube. Grundsätzlich gebe es das Phänomen, statistisch betrachtet sei es aber nur in 14 Prozent der Fälle die Ursache.

Stattdessen seien Arbeitslosigkeit, Krankheit oder auch Scheidung immer noch traurige Spitzenreiter, wenn es um das Thema Überschuldung gehe. Betroffenen rät Langenbahn, sich möglichst schnell Hilfe zu suchen.

"Es ist immer möglich, bei uns telefonisch vorab eine Beratung zu bekommen. Natürlich kann die nicht den ganzen Fall lösen, aber wir versuchen so eine Art erste Hilfe zu leisten, eben im Rahmen unserer Möglichkeiten."

Neben der telefonischen Beratung gibt es aber auch über das Onlineportal der Caritas schnell Hilfe. In der Regel dauert es bis zur ersten Antwort rund zwei Tage.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht am 13.03.2023 berichtet.


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