Kühlschrank mit Fläschen mit Muttermilch (Foto: dpa)

Homburger Chefarzt will Muttermilchbank aufbauen

Sandra Schick   25.11.2018 | 08:30 Uhr

Der Chefarzt der Homburger Kinderklinik, Michael Zemlin, plant die Einrichtung einer Muttermilchbank im Saarland. Dafür soll jetzt eine Stiftung gegründet werden. Von einer solchen Milchbank könnten vor allem Frühchen profitieren.

Im Saarland kommen, wie in ganz Deutschland, immer mehr Kinder zu früh auf die Welt. Im Jahr 2017 wurden nach Angaben des Bundesverbandes „Das frühgeborene Kind“ insgesamt 66.730 Babys in Deutschland zu früh geboren. Das heißt, fast jedes zehnte Baby ist heute ein Frühchen.

Für diese Frühchen ist es - da sind sich Ärzte und Hebammen im Saarland einig – besonders wichtig, dass sie gestillt werden, oder, wenn dies nicht möglich ist, Spendermilch bekommen. Denn nur in Muttermilch befinden sich Antikörper, die sogenannten „Immunglobuline“, die Babys vor Krankheiten schützen. Allerdings ist das Stillen nach Frühgeburten oft sehr schwierig, sagt der Chefarzt der Homburger Kinderklinik, Michael Zemlin. "Häufig sind es Notfall-Kaiserschnitte, von denen sich die Mütter erst erholen müssen. Manche Frauen brauchen Medikamente, die in die Muttermilch übergehen." Diese und andere Umstände machten das Stillen von Frühchen oft schwierig.

Ammenprinzip auf moderne Art

Seit einigen Jahren gibt es deshalb in Deutschland einen neuen Trend, der auf das altbewährte "Ammen-Prinzip" zurückgreift: Andere Mütter spenden ihre überschüssige Milch an Babys von Müttern, die nicht stillen können. Hinter „Muttermilchbanken“ oder „Frauenmilchbanken“ steht heute allerdings moderne Labordiagnostik, denn die Milch muss - wie das Blut in Blutbanken auch - untersucht werden. Da dies aufwändig und auch teuer ist, gibt es aktuell nur an 20 der insgesamt 200 Perinatalzentren in Deutschland eine Muttermilchbank.

Im Saarland fehlen noch Unterstützer

Wer gilt als "Frühgeborener"?

Von "Frühgeborenen" spricht man, wenn Babys vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden. 

Im Saarland gibt es aktuell noch keine Muttermilchbank. Aber Kinderärzte, Kinderkrankenpflegekräfte und Hebammen sind sich einig, dass die Einrichtung einer solchen Bank sinnvoll wäre und vielen Kindern helfen könnte. Michael Zemlin möchte gerne eine solche Bank einrichten. Im Gespräch mit SR.de erzählt er, dass ohnehin gerade die Milchküche der Homburger Neonatologie in andere Räumlichkeiten umziehe. Die alten Räumlichkeiten könnte man also nutzen und zu einer solchen Muttermilchbank umbauen. Dazu will Zemlin eine Stiftung oder einen Förderverein gründen, die sich mit den Belangen von kranken Frühgeborenen befasst. "Eine Muttermilchbank wäre ein sehr gutes Projekt zum Start dieser Stiftung." Einziger Wermutstropfen: Es fehle bislang noch an Unterstützern. Zum einen brauche es Geldgeber, zum anderen aber auch Experten, die den Aufbau einer solchen Stiftung juristisch unterstützen.

Hebammenverband begrüßt Vorhaben

Auch beim Hebammenverband Saarland würde man eine solche Muttermilchbank sehr begrüßen. Aline Okantah, Hebamme und Stillbeauftragte sagt, eine Muttermilchbank sei "absolut wünschenswert". Das Thema Stillen müsse insgesamt mehr in die Öffentlichkeit gerückt werden, es brauche bessere Stillberatungen der Mütter aber auch mehr Akzeptanz in der Öffentlichkeit.

Über dieses Thema haben auch die Hörfunknachrichten vom 19.11.2018 berichtet.

Artikel mit anderen teilen