Eine Justitia-Statue (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Angeklagte gesteht Kindesentführung aus Homburger Klinik

Mit Informationen von Gabor Filipp   03.08.2022 | 16:25 Uhr

Vor dem Landgericht Saarbrücken hat am Mittwoch ein Prozess wegen einer Kindesentführung begonnen. Eine 38-Jährige soll Ende Februar einen Säugling aus der Homburger Kinderklinik entführt haben. Die Angeklagte hat die Tat gestanden.

Am Vormittag des 23. Februar, gegen 11.00 Uhr, war auf der Entbindungsstation der Homburger Uniklinik ein tags zuvor geborener Junge verschwunden, entführt aus dem Zimmer der Mutter. Der Verdacht fiel schnell auf eine 38 Jahre alte Frau aus Eppelborn, die sich jetzt vor dem Landgericht Saarbrücken verantworten muss.

Zum Prozessauftakt am Mittwoch wurde die Anklage verlesen. Im weiteren Verlauf des ersten Verhandlungstages legte die Angeklagte ein Geständnis ab.

Demnach begründete sie die Tat damit, eine schwierige Kindheit gehabt und sich Liebe wie Anerkennung durch die Mutterrolle gewünscht zu haben. Ihrem Lebensgefährten hatte sie zuvor erzählt, mit Zwillingen schwanger zu sein. Dieser will nicht bemerkt haben, dass sie keinen Babybauch hatte.

Als Pflegekraft ausgegeben

Die Frau soll sich an jenem Tag im Februar Arbeitskleidung angezogen und als Pflegekraft ausgegeben haben. Gegenüber der Mutter erklärte sie, an deren Baby einen Corona-Abstrich vornehmen zu müssen. Daraufhin nahm sie den Säugling an sich. Die Angeklagte verließ daraufhin die Klinik. Durch mehrere Zeugen erhärtete sich der Verdacht, dass die Frau für die Entführung verantwortlich sein könnte.

Prozess gegen Kinderentführerin
Audio [SR 3, Filip, Gabor/ Simin Sadeghi, 03.08.2022, Länge: 04:00 Min.]
Prozess gegen Kinderentführerin

Einen Tag nach seiner Entführung wurde der Junge bei einem Zugriff im Haus der Verdächtigen wohlbehalten aufgefunden und an die Eltern zurückgegeben. Die 38-Jährige musste in Untersuchungshaft, ihre leiblichen Kinder kamen in die Obhut des Jugendamtes. In der Wohnung seien zudem einige Haus- und Wildtiere, darunter etwa Wildschweine, gefunden worden.

Der nächste Verhandlungstermin in dem Prozess ist für den 19. August geplant. Der Angeklagten, bei der der Verdacht einer Borderline-Störung im Raum steht, droht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Unterbringung in der Psychiatrie.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 03.08.2022 berichtet.

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