Symbolbild: Kindertagesstätte (Foto: dpa/Sebastian Kahnert)

Hohe Nachfrage nach Kita-Betreuung im Lockdown

Sandra Schick   16.12.2020 | 16:44 Uhr

Wann immer möglich, sollen Kinder im Lockdown zuhause betreut werden - so der Appell der Politik. Doch wie viele machen das? Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert: Es sind weiter zu viele Kinder in den Kitas. Weil die Politik sich um klare Begrenzungen drückt, bleibe der Infektionsschutz auf der Strecke.

Jeder der Bedarf hat, darf sein Kind zur Betreuung bringen - jeder der es kann, soll es zuhause lassen. Ein Appell statt einer klaren Vorschrift, wie noch im ersten Lockdown im Frühjahr. Damals mussten Eltern die Notbetreuung extra beantragen, sie stand zunächst nur Menschen offen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten.

Doch in vielen Kitas sorgt die aktuelle Regelung dieses Lockdowns nun für Kopfzerbrechen. Die Landesvorsitzende der GEW, Birgit Jenni, sagt: "Weil die Politik keine Begrenzung festgelegt hat, welche Kinder zur Betreuung kommen dürfen, sind vielerorts zu viele Kinder angemeldet." Einige Einrichtungen seien regelrecht überlaufen. Mit Notbetreuung habe das nichts zu tun.

Rund 50 Prozent in den Kitas

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Lockdown und Kitas
Im Gespräch schildert Rainer Borens, Geschäftsführer der Katholischen Kita gGmbH Saarland, die Situation der Kitas im Lockdown

Rainer Borens, Geschäftsführer der Katholischen Kita gGmbH Saarland, zu der 156 Einrichtungen saarlandweit gehören, sagte dem SR, in der verbleibenden Zeit vor Weihnachten habe man "etwas weniger als die Hälfte der Kinder" in den Einrichtungen. "Das große Fragezeichen für uns ist aber: Was wird nach den Feiertagen?", so Borens. Dann steige die Nachfrage vermutlich.

In den Kitas der Landeshauptstadt Saarbrücken ist die Auslastung zurzeit höchst unterschiedlich. Wie die Stadt auf Anfrage des SR mitteilte, gehen aktuell von 1798 Kindern 525 in die Einrichtungen. Die Auslastung der einzelnen Kitas schwanke aber zwischen fünf und 75 Prozent.

Kita-Leitungen allein gelassen

Die GEW rechnet damit, dass spätestens im neuen Jahr die Auslastung der Kitas bei 80 bis 90 Prozent liegen wird. Birgit Jenni: "Es braucht eine klare Entscheidung von der Politik, welche Kinder in die Betreuung gehen dürfen. Damit kann man nicht die Kita-Leitungen alleine lassen." Denn diese hätten "keinerlei Handhabung jemanden abzulehnen". Jeder der sein Kind anmeldet, müsse einen Platz bekommen. "Das hat mit Kontakte vermeiden nicht mehr viel zu tun."

Die Leiterin der Kita Saarwellingen, Maren Jung sagte im SR, die unklare Situation mache es auch den Eltern schwierig. "Oft scheitert es am Arbeitgeber. Der sagt: Die Kitas haben doch geöffnet, also schicken sie ihr Kind hin und kommen sie zur Arbeit."

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