Cannabis für den medizinischen Gebrauch (Foto: picture alliance/dpa/ZUMA Wire | Andre Malerba)

Hohe Hürden für Cannabis als Medikament

Melina Miller   25.04.2021 | 09:02 Uhr

Seit 2017 sollte es leichter werden, Cannabis für medizinische Behandlungen zu bekommen. Bedingung dafür ist unter anderem eine Empfehlung und Begleitung der Therapie durch den behandelnden Arzt. Die Nachfrage steigt - aber bürokratische Hürden gibt es immer noch.

Vor rund vier Jahren ist die Abgabe von medizinischem Cannabis an Kranke im Saarland eigentlich per Gesetz erleichtert worden. Die Praxis sieht aber oft anders aus:

"Wir sehen einen irrsinnig hohen bürokratischen Aufwand für eine Therapie mit medizinischem Cannabis", sagt Professor Sven Gottschling, Leiter des Zentrums für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie an der Uniklinik Homburg. Die Anträge an die Krankenkassen seien aufwendig und zeitintensiv: "Viele Patientinnen und Patienten landen dann bei uns, weil ihre Hausärzte aufgegeben haben."

Schwieriger für jüngere Patienten

Vor allem für jüngere Patienten sei es sehr schwierig, einen Antrag auf die Cannabis-Behandlung bewilligt zu bekommen. In 30 bis 40 Prozent würde der Erstantrag von den Krankenkassen abgelehnt, schildert der Arzt seine Erfahrungen. Bei Kindern und Jugendlichen sei dieser Prozentsatz noch höher. Dann müsse Widerspruch eingelegt, ein Bericht angefertigt, Studien hervorgebracht werden - für Hausärzte ein schwer leistbarer Arbeitsaufwand, so Gottschling.

Für Schmerzlinderung eingesetzt

Dabei könne eine Behandlung mit medizinischem Cannabis vielen Menschen Abhilfe bei ihren Beschwerden schaffen. Vor allem bei chronisch Kranken werde Cannabis eingesetzt, um Schmerzen zu lindern. Auch in der Palliativmedizin werde Cannabis zu diesem Zweck verwendet.

Bei zwei Dritteln der Patienten zeige Cannabis eine klinische Wirkeffektivität, so Gottschling. Und dabei sind die Nebenwirkungen vergleichsweise gering, wie mehrere Studien aus den vergangenen Jahren zeigen.

Seitdem das neue Gesetz 2017 den Zugang dazu erleichtert habe, sei die Zahl der Patienten deutlich gestiegen, sagt Professor Gottschling. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gingen im Rahmen der Dokumentationspflicht für Cannabis als Medikament im vierten Quartal 2020 insgesamt 61 entsprechende Behandlungen im Saarland aus den Abrechnungsdaten für Kassenpatienten hervor.

Hohe Kosten für Behandlung

Der Bedarf sei allerdings vermutlich noch höher, so Gottschling. "Ein großes Hindernis für die Krankenkassen sind sicherlich auch die hohen Kosten der Behandlung", erklärt er. Im Durchschnitt sei mit 300 bis 500 Euro monatlich zu rechnen.

Da die Bewilligung auf Lebensdauer falle, sei dann gerade bei jungen Patientinnen und Patienten mit erheblichen Kosten für die Krankenkassen zu rechnen. Für Gottschling sollte das allerdings kein Argument gegen die Behandlung sein, wenn die medizinische Indikation dafür vorliege.

Kritik an Umgang mit Cannabis

Auch die Grüne Jugend in Saarlouis hatte zuletzt ein Umdenken im Umgang mit Cannabis als Medizin gefordert. Ärzte, die Stadt und die Apotheken müssten offener mit Cannabis zur Behandlung umgehen - auch um den Cannabis-Schwarzmarkt gering zu halten. Um zu vermeiden, dass Cannabis illegal erworben werde, müsse das Mittel für die medizinische Behandlung zugänglich und ausreichend vorhanden sein.

Nach Angaben von Sven Gottschling kann grundsätzlich jede saarländische Apotheke Cannabis zur Behandlung anbieten. Die Apothekerkammer des Saarlandes betont außerdem, dass es selten Schwierigkeiten bei der Lieferung gebe. Die Bestellung laufe über Fachlieferanten ab, sagte Carsten Wohlfeil, Geschäftsführer der Kammer. Darüber, wie viele Apotheken im Saarland tatsächlich Cannabis anbieten, hat die Apothekerkammer allerdings keine Daten.

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