Im Transplantationszentrum einer Universitätsklinik entnehmen Mediziner einem Spender ein Organ.  (Foto: picture alliance/Waltraud Grubitzsch/zb/dpa)

Viele Saar-Abgeordnete für Neuregelung bei Organspende

  16.01.2020 | 06:30 Uhr

Der Deutsche Bundestag will heute über die Zukunft der Organspende entscheiden. Kommt die „doppelte Widerspruchslösung“, wäre jeder Bundesbürger automatisch Spender, bis er widerspricht. Die Mehrheit der saarländischen Bundestagsabgeordneten unterstützt diesen Vorschlag.

Mehr als 9000 Menschen warten nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation in Deutschland auf ein Spenderorgan. Künftig sollen es weniger sein: Nach einem Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wird bald jeder zum Organ- oder Gewebespender, es sei denn, man äußert zu Lebzeiten Widerspruch. Bisher läuft es umgekehrt: Spender müssen noch zu Lebzeiten der Entnahme zustimmen, oder ihre Angehörigen nach dem Tod.

Petry unterstützt Spahn

Der saarländische Bundestagsabgeordnete Christian Petry (SPD) hat angekündigt, für diesen Entwurf zu stimmen: „Mit Blick auf das Leben und die Gesundheit der knapp 10.000 Patientinnen und Patienten auf der Warteliste ist es meiner Meinung nach wichtig, dass die Organspende gesetzlicher Regelfall in Deutschland wird“, sagte Petry. „Ich bin der Meinung, dass sich ein Mensch wenigstens einmal zu Lebzeiten mit seiner Zustimmung oder Ablehnung zur Organspende befassen sollte und seine Entscheidung gegebenenfalls dokumentiert.“

Befragung der Bürger

Der doppelte Widerspruch ist nicht der einzige Vorschlag, über den der Bundestag am Donnerstag berät.

Bereitschaft zur Spende

Laut einer repräsentativen Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2018 ist die grundsätzliche Bereitschaft zur Organspende in der Bevölkerung hoch: 84 Prozent der Befragten gaben an, einer Organspende positiv gegenüberzustehen. 42 Prozent hatten bislang keine Entscheidung getroffen.

Eine Gruppe um die Parteivorsitzenden Annalena Baerbock (Grüne) und Katja Kipping (Linke) will bei der bisherigen Zustimmungslösung bleiben. Künftig sollen Bürger häufiger gefragt werden, ob sie sich als Organspender eintragen lassen wollen, zum Beispiel bei Arztbesuchen oder Behördengängen. Damit wäre Befürchtungen Rechnung getragen, dass Organspenden nicht freiwillig erfolgen.

Dieses Argument aber lässt SPDler Petry nicht gelten. Auch bei der doppelten Widerspruchslösung bleibe die Freiwilligkeit erhalten: „Jeder kann zu jeder Zeit ohne Angabe von Gründen der Organspende einfach widersprechen“, sagte Petry. Deshalb werde es keinen Automatismus zur Spende geben, unabhängig davon, welchem Gesetzentwurf der Bundestag mehrheitlich zustimmt.

"Ich musste über 400 Tage warten"
Audio [SR 3, (c) SR/Michael Friemel, 16.01.2020, Länge: 04:33 Min.]
"Ich musste über 400 Tage warten"
Pfarrer Jörg Metzinger aus Schafbrücke würde ohne Spenderherz wohl nicht mehr leben. SR-Moderator Michael Friemel hat mit ihm gesprochen.

Abstimmungsverhalten der saarländischen Abgeordneten

Der SR hat die saarländischen Bundestagsabgeordneten vor der Abstimmung zu ihrer Position befragt. Für den Entwurf der Widerspruchslösung wollen neben Christian Petry auch seine Parteikollegin Josephine Ortleb und die beiden CDU-Abgeordneten Nadine Schön und Peter Altmaier stimmen.

Noch unentschlossen sind nach eigenen Angaben Markus Tressel (Grüne) und Markus Uhl (CDU). Oliver Luksic (FDP) will seine Stimme gegen die Widerspruchs- und für den Alternativvorschlag, die Zustimmungslösung, geben. Thomas Lutze (Die Linke) ist für die Widerspruchslösung, kann aber nicht an der Abstimmung teilnehmen.

Die AfD wird einen eigenen Antrag einreichen, der sich „Vertrauenslösung“ nennt. Darin wird gefordert, die Regelung im Großen und Ganzen so zu belassen wie sie derzeit ist.

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Organspende und Organtransplantation
SR 2 KulturRadio hat die Organspende zum Thema unterschiedlicher Sendungen gemacht. Dabei kommen verschiedenste Sichtweisen zu Wort. In den Beiträgen geht es dabei nicht ausschließlich um die Vorteile des Organspendens. Auch Vorbehalte und die Schattenseiten kommen zur Sprache - beispielsweise jener Transplantationsskandal von 2012, durch den die ganze Branche in die Kritik geraten war.


Warten auf ein Spenderorgan
Audio [SR 3, (c) SR/Steffani Balle , 16.01.2020, Länge: 01:21 Min.]
Warten auf ein Spenderorgan
Der Bundestag stimmt am Donnerstag über die so genannte "doppelte Widerspruchslösung" bei der Organspende ab. Die Zustimmung zu dieser Regelung, die in allen anderen europäischen Ländern bereits gilt, würde für viele Menschen, die auf ein lebensrettendes Spenderorgan warten, einen Hoffnungsschimmer bedeuten. SR-Reporterin Steffani Balle hat Beatrix Lang getroffen, die auf eine Lunge wartet.


Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 16.01.2020.

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