HNO-Klinik des UKS in Homburg (Foto: Sebastian Knöbber/SR)

Suspendierter HNO-Chef ab Montag wieder im Dienst

mit Informationen von Barbara Spitzer   14.01.2021 | 19:44 Uhr

Der seit Mai suspendierte Chef der Homburger Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Bernhard S., darf ab Montag seinen Dienst wieder aufnehmen. Die Suspendierung sei aufgehoben, teilte Regierungssprecher Zeyer mit. Gegen den Mediziner wird wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung ermittelt.

Anlass für die acht Monate lange Amtsenthebung des Homburger HNO-Chefs waren Vorwürfe von sexueller Belästigung von zwei Ärztinnen und einer OP-Schwester. So soll der Mediziner Mitarbeiterinnen unangemessen berührt haben. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind noch nicht abgeschlossen und laufen weiter.

Zeyer: Suspendierung nicht mehr angemessen

Da ein Großteil der Zeugenaussagen aber vorliege, sei die Gefahr der Beeinflussung der Zeugen durch den Chefarzt damit nicht mehr gegeben, teilte Regierungssprecher Alexander Zeyer (CDU) mit. Der Mediziner sei zudem auf den Erhalt seiner Fähigkeiten als Operateur durch entsprechende Praxis angewiesen, die Amtsenthebung sei deshalb auch ein Eingriff in seine Berufsfreiheit gewesen, der nun nicht mehr angemessen sei.

Vorwurf Behandlungsfehler

Die Frankfurter Rundschau hatte am Donnerstag zudem detailliert über den Vorwurf möglicher Behandlungsfehler des HNO-Chefs berichtet. So soll es laut des Berichts im März 2017 in Folge einer Nasennebenhöhlenoperation zur Erblindung einer Patientin gekommen sein.

Linke: Schlag ins Gesicht der Patienten

Der Linken-Abgeordnete Dennis Lander sprach von einem Schlag ins Gesicht der betroffenen Patientinnen und Patienten. „Einen Chefarzt, gegen den massive Vorwürfe von Behandlungsfehlern im Raum stehen, mit der Begründung wieder einzustellen, er sei ‚auf den Erhalt seiner Fähigkeiten als Operateur angewiesen‘ und ‚dies sei nur durch eine entsprechende Operationspraxis möglich‘, ist fahrlässig“, sagte Lander.

Ministerpräsident Hans müsse als Wissenschaftsminister für Aufklärung sorgen und dem Eindruck entgegenwirken, dass die Regierung an Vertuschung mitwirke, so der Linken-Politiker weiter.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 14.01.2021 berichtet.


18.02.2021, 12.20 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer vorherigen Fassung des Beitrages hieß es, dass auch ein Verdacht auf Behandlungsfehler mit ein Grund für die Suspendierung war. Inzwischen liegen dem SR neue Informationen vor, die belegen, dass etwaiges ärztliches Fehlverhalten in der Entscheidung keine Rolle gespielt hat.

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