Eine Hand greift zum Heizungsthermostat (Foto: dpa/Ole Spata)

Heizkosten trotz geringerem Energieverbrauch gestiegen

  30.09.2020 | 07:51 Uhr

Die Haushalte in Deutschland haben im vergangenen Jahr zwar weniger geheizt, wegen gestiegener Energiepreise aber mehr für die warme Wohnung bezahlt. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist im Saarland der Heizenergiebedarf bei Mietwohnungen bundesweit erneut am höchsten.

Die abgerechneten Preise für Heizöl- und Erdgas haben nach Angaben des DIW im Jahr 2019 um 5,6 Prozent über denen im Vorjahr gelegen. Erstmals seit 2015 sei im vergangenen Jahr der Energiebedarf fürs Heizen wieder gesunken, und zwar um 3,2 Prozent, heißt es im "Wärmemonitor 2019", für den das DIW Heizkostenabrechnungen des Essener Energiedienstleisters Ista für 300.000 Haushalte ausgewertet hat.

Starke regionale Unterschiede

Mit durchschnittlich 130 Kilowattstunden pro Quadratmeter beheizter Wohnfläche liege der Heizenergiebedarf in Mehrfamilienhäusern den DIW-Berechnungen zufolge wieder auf dem Niveau von 2010. Die regionalen Unterschiede beim Heizenergiebedarf, aber auch bei den Preisen sind sehr groß.

In den westdeutschen Haushalten wurde pro Quadratmeter sieben Prozent mehr geheizt als in den ostdeutschen. Dass in Ostdeutschland weniger geheizt wird als im Westen, liegt auch daran, dass in den Jahren nach der Wende sehr viele Mehrfamilienhäuser in den neuen Bundesländern energetisch saniert wurden.

Hoher Heizenergiebedarf im Saarland

Im Saarland ist der Heizenergiebedarf je Quadratmeter im Vergleich zu anderen Bundesländern weiterhin am höchsten. Am niedrigsten ist er in Mecklenburg-Vorpommern. Für die Erhebung wurden vor allem vermietete Mehrfamilienhäuser betrachtet. Das erneut schlechte Ergebnis für das Saarland könnte also ein Hinweis darauf sein, dass hierzulande in diesem Bereich Sanierungsbedarf besteht.

Ernüchternde Klimabilanz

Die DIW-Forscher haben auch den CO2-Ausstoß beim Heizen in den Blick genommen. Und da ist die Bilanz relativ ernüchternd. Zwar seien die klimaschädlichen Emissionen seit 2010 um rund 21 Prozent gesunken. Doch der Rückgang sei "kaum den Anstrengungen bei mehr Gebäudeeffizienz geschuldet", betonte DIW-Forscher Jan Stede. Die gesunkenen CO2-Emissionen seien zum größten Teil den wärmeren Wintern in den vergangenen Jahren zu verdanken.

Temperatur- und witterungsbereinigt betrage das CO2-Minus in den vergangenen zehn Jahren lediglich 2,6 Prozent. "Die nüchterne Bilanz von zehn Jahren Gebäudesanierung zeigt: Energetische Sanierung führt nicht automatisch zu weniger CO2", kommentierte Ista-Chef Thomas Zinnöcker die Zahlen. Es brauche auch die richtigen Anreize "bei Mietern für sparsamen Verbrauch".

Um die deutschen Klimaziele zu erreichen, müsse die CO2-Reduktion beim Wohnen deutlich zunehmen, betonten die DIW-Forscher. Das Heizen ist für rund ein Fünftel der deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich.

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