Eine Hebamme hört den Bauch einer Schwangeren ab. (Foto: picture alliance / Uli Deck/dpa)

Hebammen-Professur an der htw saar unbesetzt

Mit Informationen von Florian Possinger   07.01.2020 | 20:52 Uhr

Beim Aufbau eines Studiengangs für Hebammen an der htw saar gibt es Medienberichten zufolge Probleme bei der Besetzung der Professur. Die Leitungsposition ist immer noch unbesetzt.

Der neue Studiengang Hebammenwissenschaften soll ab Oktober 2020 angeboten werden. Doch noch hat sich niemand gefunden, der die Leitung übernimmt. Der Grund: Die Stelle kann nur übernehmen, wer mindestens fünf Jahre Berufserfahrung und einen Doktortitel mitbringt – eine Kombination, die so in Deutschland nur selten vorkommt.

Video [aktueller bericht, 07.01.2020, ab Minute 15:34]
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Professorinnen stark umworben

Interview: "Ein Studiengang ist durchaus berechtigt"
Audio [SR 3, Interview: Anne Wiesen, 07.01.2020, Länge: 02:47 Min.]
Interview: "Ein Studiengang ist durchaus berechtigt"

Der Schritt, die Hebammenausbildung zu akademisieren, sei dennoch richtig, betont Anne Wiesen, Vorsitzende des Hebammenverbandes Saar. „Ich finde es auch wichtig, dass in der Geburtshilfe nicht nur von Ärzten geforscht wird, sondern auch von Hebammen. Das war bisher nicht möglich.“

Es gebe zwar einige Professorinnen in Deutschland, die aber sehr umworben werden. Man könne angesichts eines fehlenden Hochschulstudiums für Hebammen auch nicht erwarten, dass es plötzlich ausreichend Professorinnen gebe. „Die Ausschreibung ist auch sehr spät rausgegangen, erst im Oktober.“

Bisher zu wenig Forschung in Kliniken

Die bisherige Hebammenausbildung sei sehr gut gewesen, so Wiesen. „Aber wir haben nicht gelernt, wissenschaftlich zu arbeiten. Das ist heute eigentlich wichtig.“ In deutschen Kliniken werde viel zu wenig wissenschaftlich gearbeitet. Stattdessen gelte: „Das haben wir immer schon so gemacht.“ Das sei nicht mehr zeitgemäß. Mit der neuen Ausbildung bekämen Hebammen nun außerdem auch die Chance, im Gesundheitssystem weiter aufzusteigen.

Um die Stelle trotzdem zu besetzen, wäre es nach htw-Angaben auch denkbar, zunächst jemanden ohne Promotion einzustellen. Allerdings müsste diese potentielle Kandidatin dann parallel zur Leitung des Studiengangs promovieren. Bei den übrigen Dozentinnen würde auch ein Master-Abschluss reichen.

Die Ausbildung soll nach den Sommer-Semesterferien starten. Bis jetzt gebe es aber noch keine klare Übergangslösung, so Wiesen. Es wäre aber möglich, erst einmal Hebammen mit Master-Abschluss einzustellen.

Über dieses Thema hat auch der „aktuelle bericht“ vom 07.01.2019 berichtet.

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