Außenansicht von Haus Sonne (Foto: SR)

Brandbriefe prangern Lage im "Haus Sonne" an

mit Informationen von Johann Kunz und Gabor Filipp   30.09.2021 | 20:05 Uhr

Zwei anonyme Brandbriefe haben das "Neue Haus Sonne" in Gersheim-Walsheim in die Schlagzeilen gebracht. Unter anderem werden darin Betreuungsmissstände angeprangert. Nach der Heimaufsicht machte sich jetzt auch der Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen ein Bild der Lage vor Ort.

Brandbriefe, die anonym und offenbar von Beschäftigten der Einrichtung verfasst wurden, prangern Betreuungsmissstände in dem Wohnheim "Neues Haus Sonne" in Gersheim Walsheim an. In der Einrichtung werden aktuell 32 Kinder und 80 Erwachsene mit Behinderungen betreut.

Nun hatte der der saarländische Behindertenbeauftragte zu Aufklärungsgesprächen mit Bewohnern, Mitarbeitern und dem Betriebsrat eingeladen. Denn noch ist relativ unklar, was an den Vorwürfen dran ist. In den Briefen ist die Rede von "auszehrenden und nicht länger tolerierbaren Arbeitsbedingungen". Eine angemessene Betreuung der Bewohner sei nicht gewährleistet.

Video [aktueller bericht, 30.09.2021, Länge: 2:57 Min.]
Behindertenbeauftragter bei Haus Sonne vor Ort

Betriebsrat bestätigt Vorwürfe nur teilweise

Der Betriebsrat kann die Vorwürfe nur teilweise bestätigen. Der Vorsitzende des Betriebsrates, Heinz Jungmann, sagte im SR: "Hier ist definitiv Verbesserungsbedarf. Verschiedene andere Sachen [...] sind so aber nicht zutreffend." Insbesondere wenn es darum ginge, dass Betreuungsdienstleistungen in dem Maße erbracht werden, wie sie auch finanziert werden.

Angehörige berichtet von Repressalien

In einem der Schreiben hieß es, dass den Beschäftigten ein Ansprechpartner fehle. Es ist die Rede von "befürchteten Repressalien" seitens der Geschäftsführung.

Im Gespräch mit dem SR äußerte eine Angehörige eines Heimbewohners Verständnis für diese Vorwüfe. Anette Badt-Schwalbach: "Das kann ich nachvollziehen. Ich habe als Elternteil diese Repressalien ja auch erfahren. Dass man mich gefragt hat, was ich überhaupt hier will und dass man das Gespräch einfach beenden und mich nicht anhören wollte."

Die Geschäftsführung des Heimes räumte in einer schriftlichen Stellungnahme an den SR zwar eine hohe personelle Fluktuation ein. Die Betreuung der Bewohner sei aber "jederzeit gewährleistet" gewesen.

Vorermittlungen zum Tod eines Betreuten

Die Staatsanwaltschaft befasst sich derweil mit dem Tod eines Betreuten, der sich vor drei Jahren ereignet hat. Es gibt Vorermittlungen. Der Mann soll sich an einem Butterbrot verschluckt und später im Krankenhaus an Lungenentzündung verstorben sein.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht am 30.09.2021 berichtet.

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