Beate Klarsfeld und ihr Mann, der Rechtsanwalt Serge Klarsfeld (Foto: dpa/Christian Böhmer)

Deutsch-Französischer Medienpreis für Ehepaar Klarsfeld

  04.04.2019 | 05:00 Uhr

Beate und Serge Klarsfeld erhalten den Großen Deutsch-Französischen Medienpreis 2019. Das Ehepaar bekommt den Preis für sein jahrzehntelanges Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus.

Video [aktueller bericht, 04.04.2019, Länge: ab Min. 18:56]
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Beate Klarsfeld wurde vor rund 50 Jahren, im April 1968, in Deutschland durch ihre Ohrfeige an den ehemaligen Bundeskanzler Kurz-Georg Kiesinger wegen desssen Verstrickung in das NS-Regime auf einen Schlag berühmt. Später sorgte sie mit ihrem Ehemann Serge Klarsfeld dafür, dass sich der frühere Gestapo-Chef und sogenannte "Schlächter von Lyon", Klaus Barbie, sowie weitere NS-Verbrecher vor Gericht verantworten mussten. Darüber hinaus gab das Ehepaar das Buch "Endstation Auschwitz" heraus. Es enthält Biografien, Fotos und Briefe von deportierten Kindern und Jugendlichen an ihre Eltern. Für ihr jahrzehntelanges Engagement wurden sie nun ausgzeichnet.

Kampf gegen das Vergessen

Der Vorstandsvorsitzende des Preises und Intendant des Saarländischen Rundfunks, Thomas Kleist, würdigte die Lebensleistung des deutsch-französischen Ehepaares. Sie seien "ein Vorbild für den Kampf gegen das Vergessen, für Menschlichkeit und gegen einen Nationalismus, der die Ausgrenzung und die Stigmatisierung von Andersgläubigen und Andersdenkenden im Schilde führt.“ Das Ehepaar Klarsfeld habe sich immer für Wahrheit und Gerechtigkeit eingesetzt. "Die Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte wäre ohne ihr Engagement anders verlaufen", so Kleist.

Im Interview der Woche: Beate Klarsfeld
Audio [SR 2, Barbara Kostolnik, 06.04.2019, Länge: 14:36 Min.]
Im Interview der Woche: Beate Klarsfeld
Im Interview der Woche mit Frankreich-Korrespondentin Barbara Kostolnik spicht die Wahl-Pariserin Klarsfeld u. a. über ihre drei Staatsangehörigkeiten, den Effekt der berühmten Ohrfeige, die Zusammenarbeit mit ihrem Mann Serge und die Jagd auf Klaus Barbie.

Frühere Preisträger

Der Große Deutsch-Französische Medienpreis wird alljährlich an eine Persönlichkeit oder eine Organisation verliehen, die sich in besonderer Weise um die deutsch-französische und europäische Verständigung verdient gemacht hat. Zu den Preisträgern in der Vergangenheit gehören unter anderem Simone Veil, Volker Schlöndorff, Tomi Ungerer, Valéry Giscard d’Estaing, Helmut Schmidt, Alfred Grosser, Jean Asselborn, der Karikaturist Plantu und die von ihm gegründete Organisation „Cartooning-for-peace“, die Hilfsorganisation SOS-Mediterrannee sowie zuletzt der Philosoph und Soziologe Prof. Dr. Jürgen Habermas.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten des SR vom 04.04.2019 berichtet.

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