Neues Kindergarten- Jahr im Saarland (Foto: Rolf Vennenbernd-dpa/Bildfunk)

Betreuungslücke für Kita-Kinder im Saarland

  11.10.2020 | 14:42 Uhr

Nirgendwo in Deutschland ist die Betreuungslücke für Kita-Kinder größer als im Saarland. Das hat eine neue Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft ergeben.

Gemäß der Studie finden 19,8 Prozent der saarländischen Eltern keinen öffentlich geförderten Betreuungsplatz für ihre kleinen Kinder. Damit gibt es für jedes fünfte Kind keinen Platz in einer Kindertagesstätte oder bei einer Tagespflegeperson.

Ähnlich groß wie im Saarland ist die Betreuungslücke in Bremen (19,1 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (18,9 Prozent). In Bayern (13,5 Prozent) und Baden-Württemberg (12,7 Prozent) ist die Lage besser, dort wollen jedoch auch weniger Eltern ihre Kinder in Kitas geben. Sollte sich der Betreuungsbedarf dort anpassen, würden auch dort deutlich mehr Plätze benötigt.

In Ostdeutschland gibt es nur für rund fünf bis sechs Prozent der Kinder keine Kitaplätze. Dort fehlt laut der Studie allerdings das Personal zur Betreuung. Im Osten kommen demnach auf eine Betreuungsperson sechs Kinder, im Westen vier.

Grund: Höherer Betreuungsbedarf

Insgesamt fehlten zum Stichtag am 1. März 2020 in Deutschland rund 342.000 Betreuungsplätze. Im Bundesdurchschnitt findet demnach jedes siebte Kind (14,4 Prozent) keinen Kitaplatz. Die Betreuungslücke hat damit seit 2015 um mehr als 127.000 Plätze zugenommen.

Ein Grund für den steigenden Bedarf ist, nach Angabe des Wirtschaftsinstituts, dass immer mehr Eltern ihr Kleinkind institutionell betreuen lassen wollen. 2019 meldeten 81 Prozent der Eltern für ihre Zweijährigen und 64 Prozent der Eltern für ihre Einjährigen einen Betreuungsbedarf an – das sind deutlich mehr als noch vor fünf Jahren.

Langfristige Folgen

Der Sozialverband VdK warnt vor den Langzeitfolgen einer Unterversorgung mit Betreuungsplätzen. „Es gibt leider einen untrennbaren Zusammenhang zwischen der unzureichenden Vollzeitbeschäftigung von Frauen, der Familienarmut, niedrigen Renten im Alter und dem nichtgedeckten Kita-Bedarf“, so VdK-Landesvorsitzender Armin Lang. Das liege unter anderem daran, dass Frauen zugunsten der Kinderbetreuung häufig auf eine Erhöhung ihrer Arbeitszeit verzichten müssten und somit in die Altersarmut gedrängt würden.

Über dieses Thema haben auch die Hörfunknachrichten vom 11.10.2020 berichtet.

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