Leeres Wartezimmer in einer Arztpraxis (Foto: dpa/Daniel Karmann)

Grippewelle weniger heftig als in den Vorjahren

Thomas Braun   07.04.2019 | 08:45 Uhr

Nach zwei Jahren mit besonders heftigen Grippewellen im Saarland und Rheinland-Pfalz ist die Saison in diesem Jahr vergleichsweise moderat verlaufen. Ein Ende ist abzusehen. Und auch bei anderen eher typischen Wintererkrankungen sind die Fallzahlen derzeit niedriger als im Vorjahr.

Die Saarländer sind in diesem Jahr vergleichsweise gesund durch den Winter gekommen. Das zeigen aktuelle Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI). Danach suchten die Saarländer deutlich seltener wegen Atemwegserkrankungen den Arzt auf als noch in den beiden Jahren zuvor. Von einem "glimpflichen Verlauf" will Susanne Glasmacher vom RKI angesichts von 678 bestätigten influenzabedingten Todesfällen bundesweit allerdings nicht sprechen. Zudem sei die Entwicklung in diesem Jahr in unserer Region eher ein "normaler" Verlauf gewesen, nachdem die Erkältungswellen 2017 und 2018 besonders stark ausgeprägt waren.

Auch bei anderen Krankheiten wie Noroviruserkrankungen, die typischerweise eher in den Wintermonaten auftreten, sind die Fallzahlen in diesem Jahr geringer als im Vorjahr.

Niedriger Krankenstand

Das spüren auch die Krankenkassen. Die Barmer beispielsweise registrierte in diesem Jahr bislang einen niedrigeren Krankenstand als im Vorjahr. Am 1. März 2018 - dem Höhepunkt der Grippewelle damals - waren 90 von 1000 Barmer-Versicherten krankgeschrieben, in diesem Jahr waren es zu diesem Stichtag nur 64.

Wetter hat keinen unmittelbaren Einfluss

Dass es einen Zusammenhang zwischen dem niedrigeren Krankenstand und dem in diesem Frühjahr eher milden Wetter gibt, ist aus Sicht der RKI-Expertin eher unwahrscheinlich: "Das Wetter hat keine unmittelbare Bedeutung", sagte Glasmacher. "Natürlich spielt es eine Rolle, ob es Winter oder Sommer ist." Influenzaviren seien bei niedrigen Temperaturen und in trockener Luft stabiler. Ob es jetzt aber fünf Grad oder zehn Grad seien, mache keinen großen Unterschied.

Glasmacher verweist darauf, dass die Grippewelle häufig in Südeuropa - also in den wärmeren Regionen - starte, und sich dann nach Norden und Osten ausbreite. Mit eine Rolle könne aber spielen, dass sich im Winter die Menschen längere Zeit gemeinsam in weniger belüfteten Räumen aufhielten.

"Nach der Grippewelle ist vor der Grippewelle"

Auch die Veränderung der Viren von Jahr zu Jahr sei relevant. Vor diesem Hintergrund erinnert Glasmacher bereits jetzt an die kommende Saison. "Nach der Grippewelle ist vor der Grippewelle." Und spätestens im Frühherbst sollte man wieder an die Impfung denken.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 07.04.2019 berichtet.

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