Ein Arzt mit einer Spritze für eine Kleinkind-Impfung (Foto: imago/View Stock)

Eltern verunsichert über Grippeimpfung bei Kindern

Sandra Schick   26.10.2018 | 13:41 Uhr

Sollten kleine Kinder gegen Grippe geimpft werden oder nicht? Nachdem im vergangenen Winter zwei Kinder im Saarland am Influenza-Virus starben, sind viele Eltern nun verunsichert. Das Gesundheitsministerium empfiehlt die Impfung für alle - die Ständige Impfkommission hingegen hält an ihrer Empfehlung fest, nur Risikogruppen zu impfen.

Im vergangenen Winter sind im Saarland zwei Kinder an der Grippe gestorben. Die beiden Mädchen waren vier und fünf Jahre alt. Diese Fälle wirken auch jetzt, Monate später, nach. Viele Eltern sind vor der kommenden Grippesaison verunsichert: Sollte ich mein Kind gegen Grippe impfen lassen? Wenig hilfreich dabei: Auch von Kinderärzten im Saarland gibt es widersprüchliche Aussagen dazu. Die einen empfehlen die Impfung für alle, andere widersprechen und raten ab.

Wie wirksam ist die Grippe-Impfung bei Kindern?

Die Wirksamkeit der Grippe-Impfung hängt von der geimpften Person ab: Bei gesunden Kindern und Jugendlichen sind bis zu drei von vier Geimpften sicher geschützt. Sehr junge Kinder zeigen - genau wie ältere Menschen - eine eingeschränkte Antwort des Immunsystems auf die Grippeimpfung. Grippeimpfstoffe haben in verschiedenen Studien bei gesunden Kindern und Jugendlichen insgesamt eine Schutzwirkung von 59 bis 75 Prozent gezeigt. Das heißt bis zu Dreiviertel der Kinder, die ohne Impfung erkrankt wären, sind geschützt. Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Dr. Holger Wahl, Kinderarzt aus Saarbrücken, erlebt derzeit bei den Eltern seiner Patienten eine große Verunsicherung. "Wir haben sehr viel mehr Anfragen von Eltern zum Thema Grippeimpfung. Sowohl von Eltern, die impfen wollen als auch von Eltern, die unsicher sind und Beratung wünschen."

Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut (RKI) versucht im Gespräch mit SR.de zu beruhigen. "Es gibt keine höhere Gefährdungslage. Nach wie vor gilt, dass es sehr selten ist, dass Kinder schwerwiegende Komplikationen von einer Influenza davontragen." Todesfälle bei Kindern seien "sehr selten". Dass im vergangenen Jahr im Saarland gleich zwei Kinder innerhalb kurzer Zeit daran gestorben seien, sei tragisch, aber kein Anlass zu erhöhter Sorge bei den Eltern.

Fakten: Wer empfiehlt wen zu impfen?

Die offizielle Impfempfehlung der "Ständigen Impfkommission" (STIKO) hat sich nicht geändert. Nach wie vor wird eine Influenzaimpfung nur für Kinder "mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens" empfohlen. Das können zum Beispiel Asthmaerkrankungen, Herz-/Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Störungen des Immunsystems oder neurologische Erkrankungen sein. In solchen Fällen wird schon seit langem eine Grippeimpfung empfohlen.

Für viele neu ist hingegen die Empfehlung des saarländischen Gesundheitsminsteriums: Wegen des schweren Verlaufs im letzten Winter wurde aktuell eine neue Impfkampagne aufgelegt. Darin gibt das Ministerium jetzt öffentlichkeitswirksam die Empfehlung, alle Kinder und Erwachsene gegen Grippe impfen zu lassen - auch gesunde Kinder, die Kindertagesstätten besuchen und somit viel Kontakt zu anderen Kindern haben.

Robert-Koch-Institut äußert Verständnis

Das RKI äußert Verständnis für die Empfehlung des Gesundheitsminsteriums. "Es ist immer schwierig, eine Abgrenzung vorzunehmen, wer nun als chronisch krank einzustufen ist oder wer ein höheres Infektionsrisiko hat, weil er viele Kontakte zu anderen Menschen hat, wie Kinder in Kindertagesstätten." Daher sei es einfacher eine genrelle Empfehlung für alle Menschen zu geben. Dies täten viele Länder schon seit Jahren in ihren Amtsblättern, nur habe man das nicht öffentlichkeitswirksam publik gemacht. Auch das saarländische Gesundheitsministerium hat dies bisher so gehandhabt.

Impfung bleibt eine individuelle Entscheidung

Kinderarzt Holger Wahl sagt: "Die Grundlagen für die individuelle Impfentscheidung der Eltern haben sich nicht geändert." Die Kinder seien aktuell nicht stärker gefährdet. Trotzdem sollte man wissen: "Die Grippeimpfung bietet einen Schutz, gerade weil es sehr viele Erkrankungsfälle gibt. Zudem kann man durch hohe Impfraten insgesamt die Ausbreitung eindämmen. Damit schützt man auch Kinder und Erwachsene, die zu den Risikogruppen gehören."

Auch das Gesundheitsministerium stellt auf SR-Anfrage klar: Eltern müssten die Entscheidung über die Impfung eigenverantwortlich treffen. Eine patientenindividuelle Absprache mit dem jeweiligen Kinderarzt sei dabei "unerlässlich", so das Ministerium.

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