Ein Patient wird gegen Grippe geimpft. (Foto: picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)

Wird der Grippe-Impfstoff im Saarland knapp?

Steffani Balle / Onlinefassung: Axel Wagner   16.11.2018 | 17:05 Uhr

Erst vor einem Monat noch hatte Gesundheitsministerin Bachmann alle Saarländer aufgefordert, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Entweder haben das zu viele beherzigt, oder aber es war doch nicht genügend Impfstoff verfügbar. Die Apothekerkammer erklärte am Donnerstag jedenfalls auf SR-Nachfrage: Grippe-Impfstoff ist knapp. Die Kassenärztliche Vereinigung widerspricht.

Eine letzte Tranche Grippe-Impfstoff habe es vor zwei Wochen als Nachlieferung gegeben, so Manfred Saar von der Apothekerkammer des Saarlandes. Seitdem könne nichts mehr nachbestellt werden, die Pharma-Industrie stelle schlicht für dieses Jahr keinen Grippe-Impfstoff mehr her.

Video [aktueller bericht, 16.11.2018, Länge: 2:59 Min.]
Zu wenig Grippe-Impfstoff fürs Saarland?

Die Nachfrage in diesem Jahr sei deutlich höher gewesen als im vorigen. Generell sei alles abgedeckt. Wer einen Impftermin hat, werde auch noch versorgt, wer sich aber erst jetzt zur Impfung entschließt, kommt zu spät.

Interview: "Der Impfstoff ist in den Praxen und auch noch nicht zu 100 Prozent verimpft"
Audio [SR 3, Interview: Nadine Thielen, 16.11.2018, Länge: 03:16 Min.]
Interview: "Der Impfstoff ist in den Praxen und auch noch nicht zu 100 Prozent verimpft"

Ist der Impfstoff tatsächlich aufgebraucht? „Wir können das im Moment noch nicht beantworten“, sagte dagegen Gunter Hauptmann, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland. „Aus zwei Praxen hatten wir in den letzten Wochen, die Mitteilung, dass sie dass, was sie noch nachbestellen wollten, im Moment nicht geliefert bekämen. Deshalb machen wir eine Abfrage, wie es bei anderen Praxen aussieht.“

Wer noch keinen festen Impftermin vereinbart hat, dem rät Hauptmann, beim Arzt anzurufen und gegebenenfalls eine Impfdosis zu reservieren. „Der Impfstoff ist wohl noch in den Praxen, und der ist auch noch nicht zu hundert Prozent verimpft.“

Viele Rheinland-Pfälzer zur Impfung im Saarland?

Grippe-Impfstoff muss im Frühjahr von den Ärzten vorbestellt werden. Im laufenden Jahr hatten verschiedene Krankenkassen angedroht, zu viel bestellten Impfstoff nicht zu bezahlen. Im Saarland sei zwar ausreichend bestellt worden, so Saar, aber in Rheinland-Pfalz habe die Kassenärztliche Vereinigung den Hausärzten generell von Vorbestellungen abgeraten.

Der drohende Engpass im Saarland könne also damit zusammenhängen, dass etliche Rheinland-Pfälzer zur Impfung ins Saarland gekommen sind, vermutet der Kammer-Präsident.

Eine Nachproduktion kann es laut Gunter Hauptmann nicht geben, weil die Zeit nicht reicht. „Der Impfstoff ist ein Naturprodukt, er wird aus Hühnereiern produziert.“ Eine Nachproduktion würde drei bis sechs Monate dauern, außerdem sei der Impfstoff immer nur für eine Saison verwendbar.

Über dieses Thema wurde auch in der SR 3 Region am Nachmittag vom 16.11.2018 berichtet.

Artikel mit anderen teilen