Symbolbild: Justiz (Foto: SR/Felix Schneider)

Hauptangeklagter im Gregorius-Prozess weiter belastet

Thomas Gerber / Onlinefassung: Axel Wagner   11.06.2021 | 14:57 Uhr

Im „Mordprozess ohne Leiche“ um den seit 30 Jahren verschwundenen Peter Gregorius aus Völklingen sind am Freitag Notizen eines ehemaligen Mitbeschuldigten verlesen worden. Darin wird der Hauptangeklagte weiter belastet.

Dietmar M., der im Prozess um den mutmaßlichen Mord an Peter Gregorius ebenfalls angeklagt war, hatte sich noch vor Prozessbeginn Anfang des Jahres in seiner Zelle das Leben genommen. Hinterlassen hatte er Notizen, die am Freitag vor Gericht verlesen wurden.

Tatbeteiligung abgestritten

Darin wird der Hauptangeklagte Ralf W. weiter belastet. Ihm und seinem Mitangeklagten Axel K. wirft die Staatsanwaltschaft vor, 1991 den damals 29-jährigen Völklinger Peter Gregorius in ein Waldstück bei Wadgassen gelockt und dort heimtückisch ermordet zu haben.

Die Richter hatten sichtlich Mühe, die lose Blattsammlung zu entziffern. Klar aber wurde, dass Dietmar M. in seinen Aufzeichnungen jede Tatbeteiligung abstreitet. Auch der Mitangeklagte Axel K. habe mit der Tötung von Gregorius nichts zu tun, heißt es darin weiter. Vielmehr soll Ralf W. der alleinige Täter sein.

Keine Leiche gefunden

Am Tattag, im September 1991, sei W. völlig durchnässt und verschmutzt bei ihm zuhause erschienen und habe berichtet, dass er Gregorius nach einer Schlägerei leblos im Wald zurückgelassen habe, schreibt W. in seinen Aufzeichnungen. Zu dritt sei man dann zu dem mutmaßlichen Tatort gefahren. Eine Leiche habe man damals aber nicht gefunden.

Was M. in seiner Zelle zu Papier gebracht hatte, klang phasenweise wie eine mögliche Zeugenaussage vor Gericht, sich und Axel K. hätte er damit entlastet. Der eigentliche Täter Ralf W. sei nicht gesellschaftsfähig, ein Großmaul und Angeber, im Kern aber auch "kein schlechter Kerl".

M. spricht von Totschlag

In seinen Aufzeichnungen schreibt M. nicht von Mord, sondern von Totschlag, von einer Schlägerei. So gesehen hätte er Ralf W. damit nicht nur belastet, sondern juristisch zugleich entlastet – denn Totschlag wäre längst verjährt.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 11.06.2021 berichtet.

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