Fintan Magee (Foto: Honk Foto)

Saarbrückens Graffiti-Kunst entdecken

Christian Leistenschneider   14.07.2018 | 08:00 Uhr

Saarbrücken hat nicht nur ein modernes Museum, Saarbrücken ist ein modernes Museum. Seit 2017 gibt es an ausgewählten Hauswänden der Stadt Graffiti-Kunst von teilweise international bekannten Sprühern zu sehen. Und weil zur modernen Kunst das Darüber-Reden gehört, startet am Samstag eine Reihe von geführten Rundgängen zu den Werken in der Innenstadt.

Im vergangenen Jahr haben 15 nationale und internationale Künstler zwölf Hauswände in der Saarbrücker Innenstadt gestaltet, unter anderem in der Mainzer Straße, im Nauwieser Viertel und in der Bahnhofstraße. Und das Projekt wächst weiter. Die renommierte Künstlerin MadC aus Berlin, deren Werke schon in New York, Paris und London zu sehen waren, hat im Juni eine großflächige Hauswand neben dem Landtag mit einem farbintensiven abstrakten Bild verziert.

Angekommen im Kunstbetrieb

Video [aktueller bericht, 13.06.2018, Länge 3:15 Min.]
Graffiti-Künstlerin beim Saarbrücker Art Walk

Mit seinem Freilichtmuseum folgt Saarbrücken dem Trend, Graffiti als anerkannte Kunstform zu etablieren. Von vielen lange nur als Schmiererei und Sachbeschädigung betrachtet, hat der Kunstbetrieb inzwischen das Potenzial der Straßenkunst erkannt. Es gibt eigens Galerien, die sich dem Thema widmen, Institutionen wie die Völklinger Hütte werben mit Urban-Art-Projekten und Städte versuchen, mit Sprüh-Kunst ihr Profil zu schärfen.

Es war ein weiter Weg von der Underground-Szene, die ihre sogenannten Tags meist heimlich und illegal auf öffentlichen Flächen anbringt, zu den exponierten Stücken, mit denen eine Landeshauptstadt für sich wirbt. Dass der anarchische Impetus der Bewegung damit nur bedingt gebrochen ist, zeigt sich in Saarbrücken allerdings auf unschöne Weise. Nur wenige Tage nachdem MadC ihr Werk fertiggestellt hatte, hat ein illegaler Sprüher an einer Stelle des Bildes sein Tag darüber gesetzt. Damit brach er nicht nur den Ehrenkodex der Graffiti-Artists, er konterkarierte auch den Plan der Politik, den Wildwuchs der Bilder und Schriftzüge durch offiziell sanktionierte Angebote zu begrenzen.

Der Eindruck des Betrachters zählt

Der Urban ArtWalk „Re-Cover Your City“ (etwa: Wiederentdecke Deine Stadt) beginnt jeden zweiten und vierten Samstag im Monat jeweils um 15.00 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist pro Termin auf zehn Personen begrenzt. Eine Voranmeldung ist notwendig, Tickets kosten neun Euro. Tickets und Reservierungen sind über die Tourist Information im Rathaus St. Johann erhältlich.

Wie also steht es um das Verhältnis von legalen und illegalen Graffiti? Auf welche Weise prägen sie das Stadtbild? Das sind Fragen, die die Teilnehmer beim Saarbrücker Urban ArtWalk diskutieren können. Bei dem Rundgang zu den Kunstwerken gehe es nicht um reine Informationsvermittlung, sagt Myriam Göttisheim vom Veranstalter-Team. „Wer mitmacht, soll vor allem einen eigenen Zugang zu den Bildern finden.“ Geleitet werden die Führungen von ganz unterschiedlichen Vermittlern, eine Familientherapeutin ist darunter, Kunststudenten und auch ein Zauberer. Ziel sei es, ein echtes Gespräch entstehen zu lassen. „Die Teilnehmer sollen ihre Eindrücke aktiv untereinander austauschen. Weil die ganz unterschiedlich ausfallen können, ist kein Walk wie der andere“, sagt Göttisheim.

Graffiti-Kunst in Saarbrücken

Artikel mit anderen teilen