Glücksbringer (Foto: dpa/Angelika Warmuth)

Vom Glückwunsch zum Glücksbringer

Anne Staut   30.12.2019 | 10:16 Uhr

"Frohes neues Jahr": Glückwünsche gehören für uns heute selbstverständlich zum Jahreswechsel. Der Brauch geht auf eine lange Tradition zurück und ist zugleich der Ursprung für das Verschenken von Glücksbringern.

Glücksschwein, Glücksklee & Co: Zum Jahreswechsel warten in den Geschäften zahlreiche Glücksbringer darauf, verschenkt zu werden. Warum gerade diese Gegenstände zu Glücksbringern geworden sind – dafür gibt es im Internet zahlreiche mehr oder weniger einleuchtende Erklärungen.

Das vierblättrige Kleeblatt soll etwa deshalb Glück bringen, weil es – vor der gezielten Zucht vierblättriger Kleepflanzen – in der Natur selten vorkam. Wer ein vierblättriges Kleeblatt finden wollte, brauchte also Glück. Das Schwein könnte zum Glückssymbol geworden sein, weil der Besitz eines Schweines in früherer Zeit Nahrungssicherheit für das kommende Jahr versprach.

Herleitung historisch schwierig

Die Kulturanthropologin Barbara Krug-Richter von der Saar-Uni betrachtet solche Erklärungen kritisch, weil sie sich historisch nur schwer rekonstruieren lassen: "Es gibt nur begrenzt historische Zeugnisse und die sind regional sehr unterschiedlich." Es gebe keine Erklärungsansätze, die sich auf eine einzige Ursache zurückführen lassen.

Als Ursprung für die Glücksbringer sieht Krug-Richter den Glückwunsch selbst. "Glücksbringer sind ja auch eine Form von symbolischem Glückwunsch", so die Kulturanthropologin.

Für die Tradition, sich zum neuen Jahr nicht nur mündlich sondern auch in Verbindung mit Gaben Glück zu wünschen, gibt es hingegen zahlreiche Belege. So seien bereits im 16. und 17. Jahrhundert Glückwunschbriefe zu Neujahr geschrieben worden – im 19. Jahrhundert gab es dann die ersten Neujahrskarten.

Vom Schicksalslenker zum Kommerz

Außerdem lässt sich auch eine Form von essbarem Glückwunsch nachweisen. "Ich selbst habe in Quellen des frühen 16. Jahrhunderts schon gefunden, dass zu Neujahr bestimmte Formen von Brot verteilt wurden." Dazu gehörten zum Beispiel "Gebildbrote", also Brote oder Gebäck mit unterschiedlichen bildlichen Darstellungen, oder auch Gebäcke wie die Neujahrsbrezel.

Mithilfe all dieser Glückwünsche versuchten die Menschen, das Schicksal ihrer Nächsten positiv zu beeinflussen. Heute spielen laut Krug-Richter beim Verschenken von Glücksbringern Eventisierung und Kommerzialisierung eine größere Rolle. "Ich glaube, die haben schon ganz lange keine religiöse oder pseudoreligiöse Bedeutung mehr und sind bei den meisten Menschen nicht magisch aufgeladen." Das Verschenken der Glücksbringer gehöre stattdessen dazu. Zum Beispiel auch als Symbole auf Kerzen, Servietten oder Silvestergeschirr.

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