Prinzessinnenpaar (Foto: Stefan Jung)

Karnevalsverband schließt lesbisches Prinzenpaar aus

Sandra Schick / Thomas Braun   16.01.2020 | 10:14 Uhr

Ein lesbisches Paar darf in der saarländischen Fastnacht nicht an der Wahl zum "Prinzenpaar des Jahres" teilnehmen. Der Verband Saarländischer Karnevalsvereine (VSK) hat das Ehepaar Heike II. und Ute I. ausgeschlossen. Er begründet dies mit Tradition und Brauchtumspflege.

Streit um Prinzessinnenpaar
Audio [SR 1, (c) Daniel Simarro, Stefan Jung, Hans-Werner Strauß, 15.01.2020, Länge: 05:39 Min.]
Streit um Prinzessinnenpaar
SR 1 Moderator Daniel Simarro hat mit beiden Parteien gesprochen.

Der Kleinblittersdorfer Verein "Die Rebläuse" bringt in einem eigenen Posting auf Facebook seine Wut und Enttäuschung über den Ausschluss seines Prinzenpaares zum Ausdruck. "Wir nennen es schlichtweg Homophobie und diese Ausgrenzung ist für uns einfach nicht zu dulden," heißt es dort. Der Verband Saarländischer Karnevalsvereine (VSK) hat den Ausschluss nach Angaben der "Rebläuse" damit begründet, dass bei der Wertung zum Prinzenpaar des Jahres nur das klassische Prinzenpaar, "das nach Tradition und Brauchstumpflege aus Mann und Frau besteht", gewertet werden soll.

Der Präsident der "Rebläuse", Stefan Jung, sagte im Gespräch mit dem SR: "Diese Absage, an dem Wettbewerb teilnehmen zu können, setzt einfach das Zeichen, dass unser Prinzessinnenpaar im Vergleich zu den anderen Prinzenpaaren weniger wert ist." Eine der beiden betroffenen Prinzessinen zeigte sich sehr enttäuscht: "Es ist eigentlich wie ein Schlag ins Gesicht", sagte Heike dem SR. Viele Köpfe seien noch 30 Jahre zurück. "Es ist traurig, richtig traurig." Sie ist der Meinung, dass sich - gerade nach der nun losgetretenen öffentlichen Debatte - etwas ändern müsse. "Und ich hoffe jetzt auch, dass etwas passiert."

VSK weist Vorwurf der Homophobie zurück

Der VSK weist in einer Stellungnahme jegliche Unterstellung einer homophoben Haltung zurück. Der Präsident des VSK, Hans-Werner Strauß, kündigte zuvor bereits im Gespräch mit dem SR an, die Regelung "auf den Prüfstand zu stellen". Man wolle versuchen, allen gerecht zu werden. "Wir müssen auf der einen Seite das Traditionelle bewahren, uns auf der anderen Seite aber dem Fortschritt nicht verwahren." Er kündigte an, dass sich das VSK-Präsidium mit der Thematik beschäftigen werde. Auch mit dem Verein selbst habe man bereits Kontakt aufgenommen.

Kritik an Prinzenpaar-Ausschluss

Müller-Kittnau: "Habe nicht einen einzigen homophoben Beitrag gelesen"
Audio [SR 2, Jochen Marmit, 16.01.2020, Länge: 05:04 Min.]
Müller-Kittnau: "Habe nicht einen einzigen homophoben Beitrag gelesen"
Hasso Müller-Kittnau vom Lesben- und Schwulenverband Saar hat dem VSK mehr Mut im Umgang mit homosexuellen Paaren gewünscht. Der Verband habe sich eben "noch nicht getraut, den letzten Schritt der Gleichberechtigung zu gehen". Die Mehrheit der Bevöllkerung sehe das wohl ähnlich, denn unter dem fraglichen Facebook-Eintrag des Verbandes habe er "bei allen Kommentaren nicht einen einzigen homophoben Beitrag gelesen".

Die Entscheidung des VSK haben auch SPD und Grüne im Saarland scharf kritisiert. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Christian Petry nannte die Nichteinladung "diskriminierend". Er empfahl dem VSK nachdrücklich, das Prinzenpaar zur Veranstaltung einzuladen und am Wettbewerb teilnehmen zu lassen. Die Landtagsfraktion äußerte sich ähnlich. Eine Teilnahme von gleichgeschlechtlichen Prinzen- oder Prinzessinnenpaaren an Wahlen zum "Prinzenpaar des Jahres" müsse im Jahr 2020 eine Selbstverständlichkeit sein.

Die Grünen im Regionalverband Saarbrücken bezeichneten den Ausschluss des Paares als "einen Skandal". Schwule und Lesben seien Menschen mit gleicher Würde und mit gleichen Rechten, "das sollte auch endlich beim Verband Saarländischer Karnalevalsvereine ankommen, der zudem noch als gemeinnützig gilt", so Sandra Steinmetz.

Prinzenpaar erfährt großen Rückhalt

Ob Heike II. und Ute I. zum Prinzenfrühstück gehen - da sind sich die beiden noch unschlüssig. Gerade, da das Thema nun so hohe Wellen schlage, müsse man eigentlich gehen, sagte Heike dem SR. Auf der anderen Seite stehe aber weiterhin die Enttäuschung. Mut macht den Beiden aber, dass sie in der öffentlichen Diskussion soviel Rückhalt erfahren. Es sei natürlich klasse, dass "so viel positive Resonanz kam und immer noch kommt".

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 15.01.2020 berichtet.

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