Eine Erzieherin geht in einem Kindergarten mit zwei Kindern über den Flur. (Foto: picture alliance / Jan-Philipp Strobel/dpa)

Gewerkschaften fordern Corona-Tests für Kita-Personal

Sandra Schick   09.06.2020 | 06:16 Uhr

In den Kitas werden jetzt wieder deutlich mehr Kinder betreut. Doch so sehr sich die Erzieher freuen, ihre Schützlinge wieder zu sehen, so sauer sind sie gleichzeitig auf die Politik: Die nehme die Sorgen der Erzieherinnen nicht ernst. Die Gewerkschaften GEW und Verdi fordern jetzt Corona-Tests für das Personal in Kitas.

Unrealistische Hygienevorgaben und fahrlässiger Umgang mit der Gesundheit des Personals - die Kritikpunkte, die die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Gewerkschaft Verdi im Zusammenhang mit dem eingeschränkten Regelbetrieb in den Kitas anbringen, sind hart.

"Die Erzieher fühlen sich von der Politik im Stich gelassen", sagt Christel Pohl von der GEW. Sie hätten das Gefühl, "verheizt zu werden". Zum einen gebe es keine Vorgabe seitens des Minsteriums zum Umgang mit Risikogruppen in den Kitas, die Verantwortung werde stattdessen auf die Träger abgewälzt. "Gleichzeitig sind die Erzieher die einzige Berufsgruppe, die quasi ungeschützt arbeiten muss. Die Leute tragen also volles Risiko - und werden nicht getestet."

Hygienevorgaben unrealistisch

Brisant sei das vor allem deshalb, weil ein nicht unerheblicher Teil des Personals in Kitas zur Risikogruppe gehört, sagt auch Stefan Schorr von der Gewerkschaft Verdi. Schätzungen gingen von einem Viertel bis zu einem Drittel der Belegschaft aus.

Ein weiterer Punkt, der bei den Gewerkschaften auf Kritik stößt: Die Hygienevorgaben, die seitens des Ministeriums an die Einrichtungen gemacht wurden. Diese seien im Vollbetrieb "völlig unrealistisch", so die GEW. Die ausgeweiteten Hygienevorschriften erforderten eigentlich mehr Personal, sagt auch Verdi. Aber "schon vor Corona waren viele Kitas personell am Limit", das räche sich jetzt.

Da seien auch die Überlegungen, Aushilfskräfte einzusetzen, nicht hilfreich, sagt die GEW. "Welche Art der Unterstützung soll es sein, wenn nicht-pädagogische Kräfte bei Kleinkindern eingesetzt werden? Das führt eher zu mehr Problemen", so Pohl.

Regelmäßige Corona-Tests gefordert

Deshalb fordern beide Gewerkschaften jetzt, dass die Kita-Fachkräfte regelmäßig auf Corona getestet werden. Das müsse über die Gesundheitsbehörden zeitnah umgesetzt werden. "Man kann nicht sagen, dass das Infektionsrisiko in Kitas gering ist, wenn man nicht testet", so Pohl.

Die saarländische Landesregierung hat bisher dazu keine Stellung bezogen. Es gebe derzeit Abstimmungen darüber, weitere Berufsgruppen zu testen - ob auch Erzieher in die Überlegungen einbezogen werden, dazu machte ein Sprecher keine Angaben.

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