Ein Junge sitzt vor einen Berg an Geschenken. (Foto: imago/Petra Schneider)

Können zu viele Geschenke schaden?

Kasia Hummel   23.12.2018 | 08:44 Uhr

Weihnachtszeit ist Geschenkezeit: Während es bei den einen unterm Weihnachtsbaum übersichtlich bleibt, werden sich andere Kinder an Heiligabend durch unzählige Päckchen wühlen. Aber was löst die Geschenkeflut bei Kindern aus? Und wie kann man das Problem umgehen? SR.de hat bei Prof. Dr. Möhler nachgefragt.

Tablet, Spielekonsole und Markenklamotten - die Wunschlisten der Kinder zu Weihnachten werden immer länger, die Päckchen unterm Weihnachtsbaum immer mehr. Dass die Geschenkeflut nicht nur gutes mit sich bringt, weiß Eva Möhler, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der SHG-Klinik Sonnenberg. „Es ist grundsätzlich so, dass eine materiale Reizüberflutung immer zur Folge haben kann, dass Kinder unruhiger und aufgedrehter werden." Weil Kinder nicht mehr lernten, Bedürfnisse aufzuschieben, gehe damit auch eine gewisse Verwöhnung und Abstumpfung einher.

Prof. Dr. Eva Möhler (Foto: Privat)
Prof. Dr. Eva Möhler

"Der sogenannte Delay of gratification, dass man also auf etwas lange wartet, vielleicht auch lange dafür sparen muss oder lange Vorfreude hat, ist bei Kindern gesunken.“ In der Kinder- und Jugendpsychiatrie zeigt sich das laut Möhler zum Beispiel daran, dass Kinder eine viel kürzere Möglichkeit haben, zu warten, eine Belohnung aufzuschieben und planvoll zu handeln.

Liegt das Konfliktpotenzial darin, weil andere Familienmitglieder es mit den Geschenken übertreiben, helfen nach Einschätzung von Möhler Absprachen. „Man sollte es aber nicht so weit treiben, dass es dann einen weihnachtlichen Konflikt gibt.“ Auch Kinder wüssten, dass jeder Erwachsene anders sei. „Dass eine Oma oder eine Tante anders ist und verwöhnt, wirkt sich nicht so dramatisch auf die Kinder aus.“ Von daher könne man die Oma ruhig schenken lassen. Eine weihnachtliche Disharmonie sei für die Kinder schädlicher als Geschenke abzunicken.

Vorbildfunktion der Eltern gefragt

Hier sind ihrer Meinung nach die Eltern in ihrer Vorbildfunktion gefragt. Sie seien diejenigen, an denen sich die Kinder langfristig charakterlich und auch in ihrem Konsumverhalten orientierten, so Möhler. „Wenn wir ohne Ende konsumieren und uns alles immer sofort bestellen, dann ist das für die Kinder normal.“ Grundsätzlich gilt ihrer Meinung nach bei Geschenken „Weniger ist mehr“.

Eltern sollten sich deshalb auch selbst disziplinieren, indem sie nicht sofort jedem Wunsch nachgeben. Natürlich sei es manchmal einfacher, etwas teures zu kaufen anstatt sich in eine Diskussion mit dem Kind zu begeben, die Zeit und Kraft kostet. Das Kaufen gehe vergleichsweise schnell und sei nur ein Klick.

Wer auf der Suche nach Geschenken ist, dem empfiehlt Möhler alles, was Kinder dazu bringt, vor die Tür zu gehen und sich zu bewegen. Beispiele seien Bälle, Tore, Hockeyschläger sowie Inliner. "Alles, was Kinder rausbringt und von der Kiste weglockt, ist ein wunderbares Geschenk."

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