Verkehrszeichen "Achtung Wildwechsel" an einer Straße durch einen Wald (Foto: IMAGO / mhphoto)

Gefahr von Wildunfällen steigt

  30.10.2022 | 08:38 Uhr

Nach der Umstellung auf die Winterzeit sollten Autofahrer jetzt wieder aufmerksamer in Bezug auf Wildwechsel sein. In der Morgen- und Abenddämmerung können Wildschwein und Co. die Straßen kreuzen. Nebel und nasses Laub auf den Straßen machen die Situation noch riskanter.

Der Herbst bringt für Autofahrer besondere Gefahren mit sich. Das Risiko für Wildunfälle ist in dieser Jahreszeit mit am größten. Nach den aktuellsten Zahlen wurden den Autoversicherern in Deutschland im Jahr 2020 rund 272.000 Wildunfälle gemeldet.

Rein rechnerisch kollidiert damit alle zwei Minuten ein Auto mit einem Wildtier. Rehe kommen am häufigsten unter die Räder. Ein 20 Kilogramm schweres Reh hat beim Zusammenstoß bei Tempo hundert ein Aufschlaggewicht von fast einer halben Tonne.

Vorsicht im Berufsverkehr

In der Dämmerung sei das Wild dabei besonders aktiv, erklärt die Vereinigung der saarländischen Jägerinnen und Jäger. Die Zeitumstellung erhöhe deshalb das Wildunfallrisiko: Von einem Tag auf den anderen finde der Berufsverkehr wieder in der Dämmerung statt.

Daher sollten sich die Autofahrer nun wieder darauf einstellen, dass Tiere auf den Straßen unterwegs sein können. Das betrifft vor allem die frühen Morgenstunden von 5.00 bis 8.00 Uhr und die Zeit abends nach 17.00 Uhr.

Überall dort, wo Schilder auf Wildwechsel hinweisen, auch entlang von Waldgebieten, Hecken oder abgeernteten Feldern gilt: Fuß vom Gas, Abstand vom Vordermann halten und den Fahrbahnrand beobachten. Und: Wo ein Tier zu sehen ist, muss man auch damit rechnen, dass noch weitere Tiere dabei sind.

Lichthupe ist tabu

Um eine Kollision mit dem Tier zu vermeiden, rät die Polizei zu bremsen und zu hupen, um das Tier zu verscheuchen. Allerdings sollte man auf keinen Fall die Lichthupe betätigen, denn davon werden die Wildtiere nicht vertrieben, sondern nur geblendet. Sie bleiben dann stehen, können die Orientierung verlieren und laufen möglicherweise sogar noch auf das Auto zu.

Nicht ausweichen

Läuft ein Tier auf die Fahrbahn, rät der ADAC, auf keinen Fall auszuweichen, denn dann könnten die Folgen wesentlich schlimmer sein als beim Zusammenstoß mit einem Reh oder Wildschwein. Das Auto könnte im Graben landen, gegen einen Baum prallen oder in den Gegenverkehr geraten.

Stattdessen ist es besser, scharf zu bremsen und im Moment des Aufpralls das Lenkrad gut festzuhalten. Gerade in dieser Situation ist es dann wichtig, zwischen den Autos genügend Sicherheitsabstand zu haben, damit es nicht auch noch zu einem Auffahrunfall kommt.

Wenn es doch zur Kollision kommt

Sollte es dennoch zu einem Zusammenstoß kommen, sollte die Unfallstelle gesichert und die Polizei gerufen werden. Gibt es Verletzte, wird auch der Rettungsdienst gerufen. Ein verletztes oder totes Tier sollte möglichst nicht angefasst werden. Die Bergung ist Sache des Försters oder Jagdpächters. Wer Wild mitnimmt, macht sich der Wilderei strafbar.

Kontakt zur Versicherung aufnehmen

Zudem sollten Autofahrer nach dem Unfall die Schäden fotografieren und sich eine Wildunfallbescheinigung von Polizei, Förster oder Jagdpächter ausstellen lassen. Schäden am eigenen Fahrzeug, die durch Haarwild wie Rehe und Wildschweine verursacht werden, deckt die Voll- oder Teilkaskoversicherung ab.

Einige Versicherer weiten ihren Schutz zusätzlich auf Unfälle mit bestimmten weiteren oder auch sämtlichen Tieren aus. Auf den persönlichen Schadenfreiheitsrabatt hat ein Wildschaden keinen Einfluss.

Wenn nicht nachzuweisen ist, dass der Schaden am Fahrzeug durch den Zusammenstoß mit Wild oder infolge von Ausweich- oder Bremsmanövern entstand, kann er über die Vollkaskoversicherung reguliert werden. Für einen Wildunfall zahlten die Versicherer 2020 im Durchschnitt mehr als 3100 Euro.

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