Polizei - Symbolbild (Foto: Pixabay/Anja/cocoparisienne)

Polizeigewerkschaften fordern mehr Personal

  26.08.2022 | 14:49 Uhr

Der Polizeiberuf hat an Attraktivität verloren. Das zeigt sich unter anderem auch an den deutlich gesunkenen Bewerberzahlen. Und von denjenigen, die das Studium beginnen, brechen immer mehr ab, wie die Gewerkschaft der Polizei Saar beklagt. Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert mehr Neueinstellungen und Veränderungen beim Einstellungsverfahren.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Saarland hat sich wiederholt besorgt über die Personalsituation bei der Polizei geäußert. So hätten in den vergangenen zwölf Monaten bislang elf Teilnehmer ihr Studium an der Fachhochschule abgebrochen oder wurden entlassen. Ähnlich sehe es bei 18 Studenten des jüngsten Studienganges aus.

Der GdP-Landesvorsitzende David Maaß sagte, diese Abgänge „rissen ein zusätzliches Loch in das Personalkorsett der saarländischen Polizei“. Er forderte die Landesregierung auf, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um diese Ausfälle vollständig auszugleichen.

GdP-Vorsitzender Maaß: "Es ist eine katastrophale Situation"
Audio [SR 3, Simin Sadeghi, 26.08.2022, Länge: 02:53 Min.]
GdP-Vorsitzender Maaß: "Es ist eine katastrophale Situation"

Polizeiberuf soll attraktiver werden

Maaß beklagte zudem eine deutlich gesunkene Zahl von geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern. Nur 130 geeignete Polizeianwärterinnen und -anwärter hätten sich demnach für das kommende Studienjahr beworben.

„Das ist eine katastrophale Entwicklung, die sich schon über Jahre hinzieht“, so Maaß im SR. „Wir hatten vor zehn Jahren noch 1300 Bewerberinnen und Bewerber auf 100 Stellen.“ Dieses Jahr dagegen gebe es im Verfahren nur noch eine Handvoll mehr geeignete Bewerber als offene stellen. „Wenn da was schief läuft, könnte es unter Umständen sein, dass die 130, die im Oktober eingestellt werden sollen, nicht eingestellt werden können. Das wäre schlecht für die Polizei.“

Kaum noch geeignete Bewerber

„Mit Blick auf frühere Bewerberzahlen von weit über 1000 für 100 Neueinstellungen ist die derzeitige Bewerberlage ein echtes Warnsignal.“ Hier sei das Innenministerium aufgefordert, ein Programm zur Steigerung der Attraktivität des Polizeiberufs auf den Weg zu bringen.

Den Grund für die gesunkene Nachfrage sieht Maaß in der nicht mehr vorhandenen Attraktivität des Polizeiberufes. „Wir haben extrem hohe Belastungen, wenig Personal, schlechte Zulagen. Wir haben bundesweit die schlechteste Besoldung. Es gibt kein Land, in dem man als Polizist weniger verdient als im Saarland.“

Kirtik auch von DPolG

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) sieht die aktuelle Personalsituation mit Sorge. Sascha Alles, Landesvorsitzender der DPolG, teilte mit, das Einstellungsverfahren dauere viel zu lange und sei „nicht mehr zeitgemäß“.

Auch sei man „sehr erstaunt“ wie im Ministerium gerechnet werde. Die dort angenommenen Ruhestandszahlen, die zur Grundlage der Einstellungszahlen 2023 herangezogen werden seien „zu schön um wahr zu sein“. Die tatsächlichen Zahlen von Ruheständlern lägen deutlich höher, daher halte man weiter daran fest, dass die Einzellungszahl auf mindestens 150 im Jahr gehoben werden müsse, um mittelfristig eine stabile Personalsituation in der Polizei zu gewährleisten.

Maaß erst kürzlich in Kritik

Erst kürzlich hatte GdP-Chef Maaß mit einer Aussage zur Personalpolitik bei der Polizei für Aufsehen gesorgt. Demnach hatte er die Pläne der Landesregierung, die Zahl der Polizeianwärterinnen und -anwärter nicht wie angekündigt auf 150 zu erhöhen, sondern auf 115 bis 120 zu senken, als „echte Trendwende“ bezeichnet.

Nach GdP-Berechnungen müssten, um die angepeilten 500 zusätzlichen Stellen zu erreichen, in den nächsten Jahren im Schnitt jeweils 130 Polizistinnen und Polizisten eingestellt werden. Die für nächstes Jahr anvisierten 120 Stellen seien ein Schritt in die richtige Richtung, dürften aber noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.

Zu seiner Doppelrolle als GdP-Landeschef und SPD-Landtagsabgeordneter sagte Maaß, entscheidend sei das Regierungsprogramm der SPD. Daran werde die Landesregierung gemessen. „Ich bin nicht der Landtagsabgeordnete in der Polizeigewerkschaft, sondern der Polizeigewerkschafter im Landtag.“

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 25.08.2022 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja