Zusammengestellte Stühle, Tische und Schirme (Foto: picture alliance/dpa | Oliver Berg)

Saar-Gastronomen fordern klare Regeln vor Öffnung

Dominik Dix   14.03.2021 | 08:51 Uhr

Schwankendes Infektionsgeschehen, komplizierte Rechtsverordnungen und wechselhaftes Wetter erschweren eine Öffnung der Gastronomie-Betriebe. Einige Wirte wollen lieber ein bisschen länger warten, als erst öffnen und dann ein weiteres Mal schließen zu müssen.

Für die saarländischen Gastronomen waren die vergangenen zwölf Monate denkbar hart. Wegen der Corona-Pandemie dürfen die Wirte seit November keine Gäste mehr empfangen – und ein Ende ist nur theoretisch in Sicht. Laut Stufenplan nämlich dann, wenn in einer Region eine stabile Sieben-Tages-Inzidenz von weniger als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner über einen Zeitraum von 14 Tagen festgestellt wird. Das geht aus dem Beschluss der Bund-Länder-Konferenz vom 3. März hervor.

Kommt es zu weiteren Öffnungen?
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 17.03.2021, Länge: 01:46 Min.]
Kommt es zu weiteren Öffnungen?

Wie lange dieser Beschluss tatsächlich gelten wird, ist derzeit schwer abzuschätzen. Erst am Dienstag hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Saarlouis eine Regelung der Landesregierung zum Einzelhandel gekippt. Geschäfte dürfen jetzt wieder öffnen, solange sie nur einen Kunden je 15 Quadratmeter Fläche in ihre Läden lassen.

Laut einer Sprecherin des Gerichts ist derzeit noch kein Verfahren auf Betreiben eines Gastronomen anhängig. Allerdings rechnet Mathias Hafner, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) damit, dass "im Lichte des OVG-Urteils nun auch die Beschränkungen für die Gastronomie überprüft werden."

Wirte akzeptieren längere Schließungen

Doch zunächst gelten für die Wirte die Regelungen der Landesregierung. Diese werden von vielen ohne Klagen hingenommen - so auch vom Saarbrücker Timo Schmidt von Gastromedia, zu der die Kneipen "Klimbim", "Synop", "Feinkost Schmidt" sowie der Nachtclub "blau" gehören.

Straßengabelung im Herzen des Nauwieser Viertels Saarbrücken (Foto: Kulturspiegel/SR)
Auch im Saarbrücker Nauwieser Viertel haben die Kneipen seit November zu

"Die Koppelung an den Inzidenzwert ist im Grunde eine gute Sache", sagt Schmidt. Man müsse "die Themen Lockdown und Öffnung vernünftig diskutieren", gleichzeitig die Fallzahlen im Auge behalten und dann bewerten, was legitim sei. Das Worst-Case-Szenario für Schmidt: "Wenn wir für ein paar Wochen öffnen dürften und dann wieder schließen müssten. Wir halten lieber noch ein paar Monate länger durch, als eine On-Off-Situation zu provozieren."

Ab Montag Öffnung der Außengastronomie?
Audio [SR 3, Patrick Wiermer, 17.03.2021, Länge: 03:06 Min.]
Ab Montag Öffnung der Außengastronomie?

Ähnlich sieht das auch Helge Jungfleisch, Betreiber des "Karate Club Meier" und des "Mono" im Nauwieser Viertel in der Landeshauptstadt: "Ich teile die Regelungen der Regierung. Solange Hygienekonzepte notwendig sind, kann ich mit meinem Geschäftsmodell allerhöchstens kostendeckend arbeiten, weil ich nur sehr wenige Außenplätze habe."

Doch selbst wenn diese vorhanden sind, gibt es Unsicherheitsfaktoren. Laut Bund-Länder-Beschluss wären bei Öffnung der Außengastronomie Reservierungen und tagesaktuelle negative Schnelltests zwingend erforderlich. Denn die Fallzahlen zeigen im ganzen Bundesgebiet wieder nach oben.

Das wird laut Frank Hohrath, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Saarland zum Problem: "Was sollen die Gastronomen machen, wenn Reservierungen getätigt, aber nicht abgesagt werden? Was tun sie bei wechselhaftem Wetter? Wer soll die Schnelltests überprüfen? Dürfen sie das überhaupt? In dieser Situation zu öffnen ist in meinen Augen wirtschaftliches Harakiri", sagt Hohrath.

Und nicht nur die Fallzahlen machen eine baldige Öffnung unwahrscheinlich. Die Gastronomen bräuchten eine Vorlaufzeit von 14 Tagen, um ihre Läden wieder aufsperren zu können, da man Personalplanung betreiben und Waren bestellen müsse. "Wir sind keine Garagen, die man auf- und zusperren kann."

Gastronomen und Dehoga fordern Unternehmerlohn

Beide Saarbrücker Gastronomen haben die von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten Hilfszahlungen in Anspruch genommen und beziehen derzeit die sogenannte "Überbrückungshilfe III". Diese sieht vor, dass bis zu 90 Prozent der monatlichen geschäftlichen Fixkosten übernommen werden. Private Aufwendungen wie Miete und Lebenshaltungskosten sind damit nicht gedeckt. "Ein Unternehmerlohn wäre hilfreich. Ich habe monatliche Kosten und muss meine private Krankenversicherung selbst zahlen", sagt Jungfleisch.

Diese Forderung stützt auch Frank Hohrath von der saarländischen Dehoga. "Der Unternehmerlohn muss dringend her. Die Gastronomen waren die Ersten, die schließen mussten und sie sind die Letzen, die wieder öffnen dürfen. Der Stufenplan ist in unseren Augen eine Frechheit." Öffnungen scheitern laut Hohrath "am logistischen Versagen der Bundesregierung" bei den Impfungen, Testungen und Kontaktnachverfolgungen.

Frank Hohrath vom Hotel- und Gaststättenverband über mögliche Öffnungen
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 17.03.2021, Länge: 03:28 Min.]
Frank Hohrath vom Hotel- und Gaststättenverband über mögliche Öffnungen

Diese Einschätzung teilt Gastronom Timo Schmidt: "Die Regierung hat meiner Meinung nach im November den Moment für einen harten Lockdown verpasst. Das ist zu einer Katastrophe für unsere Branche geworden."

Einfache Lösungen wird es in absehbarer Zeit für die gebeutelten Gastronomen also nicht geben. Ein weiteres Bund-Länder-Treffen ist für den 22. März geplant, dann sollen die Beschlüsse "im Lichte der Infektionslage" auf den Prüfstand, wie es heißt. Aktuell gilt im Saarland laut Corona-Rechtsverordnung der Landesregierung nach wie vor ein Betriebsverbot für Gastronomen, es sei denn es werden "mitnahmefähige Speisen und Getränke" angeboten. Doch davon können längst nicht alle Wirte profitieren - auch die Saarbrücker Kneipenbetreiber Jungfleisch und Schmidt nicht.

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