Werner Freund mit seinen Wölfen (Foto: dpa)

Wolfsmensch: Fünfter Todestag von Werner Freund

Kai Forst   09.02.2019 | 13:07 Uhr

Als "Wolf unter Wölfen" oder "Wolfsmensch" wurde Werner Freund weltberühmt. Wie kein anderer vor ihm lernte der Gründer des Merziger Wolfsparks die hochintelligenten und sozialen Tiere kennen und verstehen. Vor fünf Jahren verstarb Freund im Alter von 80 Jahren.

„Ich lebe zwei Leben: das Leben als Mensch und das andere als Wolf." Wer die Arbeit von Werner Freund über die Jahre verfolgte, konnte an diesem Zitat nicht zweifeln. Jahrzehntelang lebte mit ihnen im Kammerforst, im Wald von Merzig, zusammen. Er heulte mit ihnen, streichelte sie – eine fast schon liebevolle Beziehung zwischen Mensch und Wolf.

"Er hat den Wolf Wolf sein lassen"

Doch Freund musste sich auch jeden Tag aufs Neue im Rudel behaupten, um von den Tieren als ranghöchster Teil der Gemeinschaft akzeptiert zu werden. Er brachte ihnen die Beute und kämpfte mit ihnen um das Fleisch – eine lebensgefährliche Aufgabe, die zeigt, wie einzigartig Freund mit den Tieren umging. "Er hat den Wolf Wolf sein lassen und sich zum Wolf gemacht. Und das ist die sanftere und natürlichere Herangehensweise", sagte einmal Norbert Fritsch, der Direktor des Neunkircher Zoos, über Werner Freund.

Werner Freund - der Wolfsmensch

Mit seinem 1977 eröffneten Wolfspark wurde Werner Freund schließlich weltberühmt. Über die Jahre wurde der Park immer weiter ausgebaut und beherbergt heute auf 4,5 Hektar rund 20 Wölfe unterschiedlicher Rassen. Zusammen mit seiner Frau zog Freund in Merzig insgesamt über 70 Wölfe groß. Seine Bücher und Forschungserkenntnisse wurden von Canidenforschern aus der ganzen Welt anerkannt und diskutiert.

Nachfolge geregelt

5. Todestag von Werner Freund
Audio [SR 3, Studiogespräch: Dorothee Scharner / Julia Becker, 09.02.2019, Länge: 03:41 Min.]
5. Todestag von Werner Freund
Vor fünf Jahren ist Werner Freund gestorben. Er hatte vor über 40 Jahren den Wolfspark in Merzig gegründet . Freund hatte dort sein Leben ganz dem Schutz, der Pflege des Wolfes und der Aufklärung über den "Canis lupus", wie Isegrim in der Fachsprache bezeichnet wird, verschrieben. Im SR 3-Studiogespräch erinnert Julia Becker an Freund und spricht Neuentwicklungen im Wolfspark und über die Spuren, die er bis heute dort hinterlassen.

1995 erhielt er für seine Initiative und für die Errichtung des Parks den Saarländischen Verdienstorden. Für den Wolfspark hatte Freund schon vor Jahren eine Nachfolgerin eingearbeitet. Seit seinem Tod 2014 leitet Tatjana Schneider den Wolfspark.

Stationen seines Lebens

Werner Freund wurde 1933 in Hessen geboren. Nach einer Lehre als Gärtner wechselte er schließlich in den 50er Jahren zur Bundeswehr. Aufgrund seiner Affinität zu Tieren wurde ihm die Betreuung eines Bären anvertraut. 17 Jahre lang beschäftigte sich Freund daraufhin mit Bären. In den 60er und 70er Jahren unternahm er Expeditionen in die entlegensten Gebiete der Erde, u.a. nach Papua-Neuguinea, Afrika und Mittelamerika.

1972 zog Freund zusammen mit seiner Ehefrau nach Merzig. Im gleichen Jahr bekam er seinen ersten eigenen Wolf "Ivan". In den Folgejahren baute Freund den Merziger Wolfspark auf, der weit über die Grenzen Deutschlands berühmt wurde.

Video [aktueller bericht am Samstag, 09.02.2019, Länge: 2:18 Min.]
Wolfspark: 5. Todestag von Werner Freund

Multimediale Webdoku
Von Wölfen und Menschen
Zwei Jahre haben wir die Leiterin des Parks, Tatjana Schneider, mit ihren Wölfen begleitet und Menschen getroffen, die alle aus einem ganz bestimmten Grund in den Park kommen: der Faszination für die Wölfe.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 09.02.2019 berichtet.

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