Ein Rentner zählt sein Kleingeld am Eingang zu einem Einkaufsmarkt. (Foto: Imago Images/Future Image)

Mahnwache in Saarbrücken gegen Altersarmut

Kai Forst   24.01.2020 | 09:56 Uhr

Die Gruppierung „Fridays gegen Altersarmut“ will heute bundesweit mit Mahnwachen auf das Thema Altersarmut aufmerksam machen – auch in Saarbrücken. Doch mehren sich die Vorwürfe, die Organisation sei von rechts unterwandert. In Saarbrücken wird die Mahnwache von einer SPD-Frau organisiert.

Mehr als 300.000 Mitglieder hat die Gruppe „Fridays gegen Altersarmut“ inzwischen auf Facebook. Man wolle so viele Menschen wie möglich für das Thema Altersarmut sensibilisieren, heißt es. Mit Erfolg: In wenigen Monaten hat sich die Anhängerschaft verzehnfacht. Das zeigt: Das Thema Altersarmut bewegt die Menschen in Deutschland.

Auch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Seit 2010 ist die Zahl der Senioren in Deutschland, die als arm gelten, deutlich gestiegen. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2010 noch 14 Prozent der Rentner und Pensionäre durch Armut gefährdet. Ihr Anteil stieg 2017 auf 18,7 Prozent. Und diese Entwicklung wird sich nach Ansicht von Wirtschaftsexperten in den nächsten Jahren noch deutlich verschärfen.

Verbindungen zur rechtsextremen Szene?

Doch es wird Kritik an der Initiative „Fridays gegen Altersarmut“ laut. Der Vorwurf: Die Macher, allen voran der Gründer Heinz Madsen, stünden in Verbindung zur rechtsextremen Szene. Und nicht nur das: Sowohl die rechtspopuläre AfD als auch rechte Seiten im Netz werben offen für die Mahnwachen.

Auch in Saarbrücken findet eine statt, organisiert von Sylvia Josette Schuhe. Die 61-Jährige ist langjähriges SPD-Mitglied, saß von 2004 bis 2014 im Saarbrücker Stadtrat. Sie distanziert sich klar von jeglichen rechten Positionen. „Ich lasse mich in keine rechte Ecke stellen. Ich bin langjährige Sozialdemokratin und war schon auf vielen Demos gegen rechts, zuletzt in Kandel. Von den aktuellen Vorwürfen war ich erstmals geschockt. Davon wusste ich nichts, als ich die Mahnwache in Saarbrücken angemeldet habe.“ Absagen werde sie die Aktion allerdings nicht. Zu wichtig sei ihr das Problem der Altersarmut, auch weil sie inzwischen selbst betroffen sei. „Mir geht es um das Thema. Wir haben die Chance aus unserer Komfortzone herauszukommen und mit den Menschen in Kontakt zu treten, die von Altersarmut betroffen sind.“

SPD distanziert sich

Allerdings berichtet Schuhe auch von Druck aus den eigenen Reihen. Mehrere SPD-Mitglieder hätten ihr nahegelegt, die Mahnwache abzublasen. Auf Nachfrage in der Parteizentrale der Sozialdemokraten im Saarland teilte ein Sprecher mit: „Der Kampf gegen Armut im Alter ist ein ureigen sozialdemokratisches Anliegen. Ein gesellschaftliches Eintreten, um älteren Menschen ein würdevolles, finanziell abgesichertes Rentenleben zu ermöglichen, ist folglich nur zu begrüßen.“ Der Initiative „Fridays gegen Altersarmut“ stehe man allerdings kritisch gegenüber. Denn viele ihrer Organisatoren böten keine Lösungsvorschläge, „sondern beharren auf Parolen ohne Ziele“.

Abwartender reagiert die Linke auf „Fridays gegen Altersarmut" und die anstehende Mahnwache in Saarbrücken. Zunächst seien die inhaltlichen Forderungen wie die Rücknahme der Agenda 2010 oder die Einführung einer Reichensteuer auch seit langem Forderungen der Linken. Zudem würden gerade diese Forderungen von wirklich Rechten wie der AfD allesamt abgelehnt. "Bei über 300.000 Facebook-Unterstützern ist auch klar, dass die große Mehrheit sicher keine Nazis oder extreme Rechte sind und das Bedürfnis nach sozialen Verbesserungen groß ist", sagte die stellvertretende Landesvorsitzende Barbara Spaniol dem SR.

Linke: "Eine anständige Sozialdemokratin"

Auch die Organisatorin der Saarbrücker Kundgebung, Sylvia Josette Schuhe, sei "mit Sicherheit keine Rechtsextreme, sondern anständige Demokratin". Dennoch müsse man vorsichtig sein, da rechte Gruppen versuchten, eine solche Initiative von vorneherein gezielt zu unterwandern. "Davon gilt es sich unbedingt zu distanzieren. Darum muss man auch genau hinschauen, wer am Freitag bei den Kundgebungen teilnehmen wird. Das Anliegen, gegen Altersarmut zu kämpfen, ist angesichts der Tatsache, dass jeder fünfte Rentner arm ist, jedoch mehr als berechtigt", sagte Spaniol.

Eher zurückhaltend äußert sich hingegen der Sozialverband VdK: Man wolle zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellungnahme zu der Initiative abgeben. Man rufe aber explizit nicht zu einer Teilnahme an der Mahnwache auf, sondern verweist auf die eigene bundesweite Kampagne #Rentefüralle. Darin fordert der Verband eine umfassende Rentenreform.

Ein Thema in der "Region" am 24.01.2020 auf SR3 Saarlandwelle.

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3 Kommentare

Harry Kreischer 22.01.2020, 18:03 Uhr

Ich begreife nicht, daß alles was pure Vernunft ist, plötzlich recht oder braun ist! Was soll das? Jeder der etwas kritisiert ist plötzlich Afd ler ? Kommt mal etwas runter auf den Boden der Tatsachen ??

AT 22.01.2020, 17:18 Uhr

Ich kenne Sylvia Josette Schuhe seit vielen Jahren und weiß genau, dass niemand weniger rechts ist als sie. Ihr geht es allein um das Thema und ich unterstütze sie.

K. R. 22.01.2020, 16:42 Uhr

Ein Aufrütteln ist auch im Falle von drohender Altersarmut sehr zu begrüßen. Meiner Auffassung nach wäre es kein Problem, diese Aktion mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen und gleichzeitig dagegen zu kämpfen, dass die Bemühungen weder von irgendeiner Seite unterwandert, noch von rechtsextremistischen Gruppierungen für deren Zwecke missbraucht werden, anstatt die Initiative im Vorfeld negativ zu kritisieren und ihr zu unterstellen, sie sei rechtslastig.

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