Schüler bei der Demo vor dem Staatstheater (Foto: Elisa Maria Teichmann/SR)

1600 Schüler bei Klima-Demo

mit Informationen von Elisa Teichmann und Thomas Gerber   18.01.2019 | 16:03 Uhr

"Fridays for Future" - so heißt eine Schülerinitiative, die sich für mehr Klimaschutz einsetzt. Bundesweit hatte sie heute zu Kundgebungen und Schulstreiks aufgerufen - auch in Saarbrücken. Dort marschierten am Vormittag weitaus mehr Schüler und Schülerinnen durch die Innenstadt als zunächst erwartet. Angestoßen wurde die globale Bewegung von einer renitenten 15-jährigen Aktivistin aus Schweden.

"Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut": Unter diesem Motto marschierten die Schüler und Studenten durch die Saarbrücker Innenstadt. Für die Initiative "Fridays for Future" ein Riesenerfolg. Gerechnet hatten die Initiatoren zunächst mit 50, dann mit 200 Demonstranten. Am Ende kamen 1600 junge Menschen - so die offizielle Zahl der Polizei - nach Saarbrücken. Unter den Teilnehmern waren auch einige Lehrer mit ihren Klassen - sie nutzten die Demo für eine Art Projektunterricht und wollen die Demo später im Politikunterricht nachbereiten.

"Wir haben keinen Planeten B!"

Auslöser der Bewegung war im Dezember 2018 das Video einer schwedischen Teenagerin. Im Gegensatz zu den audiovisuellen Botschaften vieler Altersgenossen ging es Greta Thunberg allerdings nicht um Fashion und Lifestyle, sondern um knallharte Umweltpolitik. Auf der UN-Klimakonferenz in Katowice sprach die 15-jährige Schülerin unerschrocken und selbstbewusst das aus, was viele Erwachsene sich ihrer Meinung nach nicht trauten: „Wir können die Welt nicht mehr retten, indem wir nach den Regeln spielen. Es wird Zeit, zu rebellieren, um unsere Zukunft zu retten“.

Porträtfoto Susanne Speicher (Foto: Susanne Speicher)
Initiatorin Susanne Speicher

Susanne Speicher sieht das genauso. Die 27-jährige Lehramtsstudentin verfolgte schon früh die Streiks Thunbergs vor dem schwedischen Parlament über die Sozialen Medien. Sie war begeistert vom Mut und von der Entschlossenheit der jungen Schwedin: „Ich habe mir viele Gedanken gemacht über ihr Vorgehen und welche Reichweite das ganze haben könnte, wenn alle jungen Menschen daran teilnehmen würden. Was nützt uns der beste Schul- oder Uniabschluss, wenn wir befürchten müssen, dass unser Planet in ein paar Jahren nicht mehr zu bewohnen ist?"

Aufstehen und aussprechen

Video [aktueller bericht, 18.01.2019, Länge: 2:28 Min.]
Schwänzen für den Klimaschutz

Inspiriert von Thunbergs Streiks und Rede initiierte Speicher eine Regionalgruppe der Bewegung Fridays for Future im Saarland: „Durch social media verlief die Gründung schnell und unkompliziert. Jede Ortsgruppe hatte sehr schnell eine WhatsApp-Gruppe, wo Interessierte eintreten konnten. Aktuell sind es tatsächlich über 50 Ortsgruppen deutschlandweit“, so Speicher. Einen Appell will die Gruppe vor allem an die Regierung richten: So solle beispielsweise der Kohle-und Atomausstieg nicht weiter aufgeschoben werden und die Automobilindustrie stärker sanktioniert werden.

Die Motivation der Regionalgruppe Fridays for Future Saarland spiegelt die Entschlossenheit Thunbergs wider: „Wenn wir etwas bewegen wollen, wenn wir Veränderungen wollen, dann können wir nicht weiter machen wie zuvor. Wir müssen aufstehen und das aussprechen, was wir uns für unsere Zukunft wünschen. Wir müssen über unsere Ängste reden. Selbstverständlich immer friedlich, ohne Gewalt.“

Ohne Provokation geht es nicht

"Friday for Future": Rund 1600 Schüler bei Klima-Demo in Saarbrücken
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 18.01.2019, Länge: 03:13 Min.]
"Friday for Future": Rund 1600 Schüler bei Klima-Demo in Saarbrücken

Um das zu erreichen, ist die Regionalgruppe heute erstmals auf die Saarbrücker Straßen gegangen. Aufgerufen waren Studierende, Azubis und hauptsächlich Schülerinnen und Schüler teilnehmen. Die Jugendorganisationen von SPD, Linken und Grünen hatten die Aktion unterstützt. Der Chef der Jungen Union, der CDU-Landtagsabgeordnete Alexander Zeyer begrüßte das Engagement der Schüler zwar ebenfalls, hätte sich aber genauso wie die Schülerunion eine Demo in der unterrichtsfreien Zeit gewünscht.

In ihrer Facebook-Gruppe hat Fridays for Future Saarland dazu eine Stellungnahme verbreitet. Susanne Speicher betont: „In erster Linie gebe ich der Schüler Union Saar Recht, wenn sie behauptet, man kann zu jeder Uhrzeit streiken. Aber was wir brauchen ist Aufmerksamkeit. Niemand wird uns hören, wenn wir nicht ein bisschen provozieren. Niemand wird uns ernst nehmen, wenn wir immer das machen, was verlangt wird. Und wie wir sehen, wir haben Aufmerksamkeit. Nun können wir gehört werden!“

Die Schüler, die heute an der Demo teilgenommen haben, ließen den Unterricht ausfallen. Viele hatten dafür die Unterstützung ihrer Eltern. Das Bildungsministerium wies in einem Brief an die Schulleitungen zwar auf die gesetzlich vorgeschriebene Schulpflicht hin. Minister Ulrich Commerçon (SPD) aber zeigte Sympathie für das Engagement der Schüler und regte an, auf Sanktionen zu verzichten, wenn es bei einer einmaligen Teilnahme der Schüler an einer solchen Veranstaltung während der Unterrichtszeit bleibe.

Eine aufgeklärte, friedliche Bewegung

Mit einer einzigen Demo sei es aber wahrscheinlich nicht getan, schätzt Initiatorin Speicher. Bundesweit steht bereits ein neuer Termin fest: „Am 25. Januar geht es für alle Ortsgruppen nach Berlin. Auch junge Saarländerinnen und Saarländer sind eingeladen nach Berlin zu kommen, um vor der Kohlekommission zu streiken. Außerdem wird 'Fridays for Future Deutschland' zusammen mit dem BUND eine Zukunftskonferenz im März organisieren, wo junge Menschen ihre Ideen austauschen und diskutieren können. Wir wollen eine starke, aufgeklärte und friedliche, junge Bewegung sein!“

Über dieses Thema wurde auch in der Region auf SR 3 Saarlandwelle vom 15.01.2019 berichtet.

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