Virologe Dr. Jürgen Rissland  (Foto: SR)

Fragen rund um den AstraZeneca-Stopp

  16.03.2021 | 20:48 Uhr

Nach dem vorläufigen Stopp für den Imfpstoff von AstraZeneca gibt es viele Fragen. Was genau prüft jetzt die EMA? Wie sollen sich Menschen verhalten, die mit dem Vakzin geimpft worden sind? Der Homburger Virologe Jürgen Rissland hat diese und andere Fragen im SR beantwortet.

Was überprüft die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) in Bezug auf den Impfstoff von AstraZeneca jetzt genau?

Jürgen Rissland: Die EMA schaut sich jetzt alle Fälle an, die in den einzelnen europäischen Staaten aufgetreten sind und sucht nach Gemeinsamkeiten. Dazu kann eine gleiche Charge gehören, dazu kann die Einnahme von Medikamenten gehören oder vielleicht auch Vorerkrankungen.

Virologe Rissland zur Impfsituation im Saarland
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 16.03.2021, Länge: 04:09 Min.]
Virologe Rissland zur Impfsituation im Saarland

Wenn der Impfstoff von AstraZeneca jetzt längerfristig nicht mehr verwendet werden kann: Was ist dann mit den Menschen, die bereits eine Erstimpfung bekommen haben? Können sie mit einem anderen Impfstoff bei der Zweitimpfung geimpft werden?

Jürgen Rissland: Theoretisch schon, weil das Impfantigen, das in den einzelnen Impfstoffen verwendet wird, praktisch gleich ist. Es wird dem Körper nur auf unterschiedlichen Wegen angeboten. Aber keiner der Impfstoffhersteller hat in seinen zeitlich kurz gefassten Zulassungsstudien geprüft, wie er mit seinem Kontrahenten zusammenpasst. Theoretisch besteht keine Gefahr. Trotzdem muss man natürlich schauen, dass man zusätzliche Daten generiert, um das Risiko besser einschätzen zu können.

Auf welche Symptome sollten Menschen achten, die mit AstraZeneca geimpft worden sind? Welches sind Alarmzeichen mit denen man zum Arzt gehen sollte?

Jürgen Rissland: Dazu zählen Blutungen an der Haut und den Schleimhäuten. Außerdem sind starke und anhaltende Kopfschmerzen ein Symptom. Alles, was der Patient nicht kennt und normalerweise so nicht auftritt. Wenn es dann in zeitlicher Nähe zur Impfung auftritt, sollte das vom Hausarzt abgeklärt werden.

Sollte man prophylaktisch zum Arzt gehen, wenn man eine Impfung mit AstraZeneca bekommen hat?

Jürgen Rissland: Nein, das braucht man nicht unbedingt. Die Hirnvenen-Thrombose von der jetzt überall die Rede ist, ist etwas, das man auch deutlich erkennen kann. Kopfschmerzen sind dafür, wie eben erwähnt, ein deutliches Leit-Symptom, ebenso Blutungsneigung.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht am 16.03.2021 berichtet.

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