Mitarbeiter eines Labors demonstriert die klinische Studienvorbereitung (Foto: picture alliance / Wolfram Kastl / dpa)

Unis ignorieren Vorgaben zu Studienergebnissen

  13.01.2020 | 10:41 Uhr

Eine Großzahl der medizinischen Studien an deutschen Universitäten wird nicht gemäß EU-Vorgaben veröffentlicht. Das hat eine britisch-deutsche Auswertung ergeben. Auch das Uni-Klinikum Homburg ist betroffen.

Sie soll Medizinern, Forschern und Probanden einen zentralen Zugang zum aktuellen Wissensstand über Medikamente bieten: die EU-Datenbank für klinische Studien EudraCT (European Union Drug Regulating Authorities Clinical Trials Database). Wer in der EU eine klinische Studie durchführen lässt, muss dort die Ergebnisse hinterlegen. Doch deutsche Universitäten sind dabei offenbar eher nachlässig: Nach einer Auswertung von Transparimed und Buko Pharma-Kampagne werden nur 6,7 Prozent der Ergebnisse innerhalb der vorgegebenen Frist veröffentlicht.

Wissen werde "verzerrt"

Jörg Schaaber von der Pharma-Kampagne sieht in der laxen Dokumentationspraxis ein großes Problem. Jede Studie, deren Ergebnisse unveröffentlicht blieben, verzerrten das Wissen über Medikamente. "Klinische Studien dienen dazu, die bestmöglichen Therapien zu finden. Umso enttäuschender ist es, dass die meisten deutsche Universitäten es nicht schaffen, ihre Forschungsergebnisse in das EU-Studienregister einzutragen." Außerdem zeuge das Versäumnis von wenig Respekt gegenüber den Patientinnen und Patienten, die an den Studien teilgenommen hätten.

Das Uni-Klinikum Homburg (UKS) hat der Untersuchung zufolge insgesamt elf Studien angemeldet, von denen zwei inzwischen in die Datenbank hätten eingetragen werden müssen. Dies sei nicht geschehen, weil beide Studien nicht zu Ende geführt wurden, teilte die Uni mit. Einmal sei das Prüfpräparat von der Herstellerfirma zurückgezogen worden, einmal habe der Studienleiter die Uni verlassen. Zudem habe es sich in einem Fall nicht um eine Zulassungsstudie gehandelt.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 02.01.2020 berichtet.

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