Eine Mutter hält ihrem Kind am Krankenbett die Hand. (Foto: IMAGO / YAY Images)

Team um Saar-Forscher entdeckt Hinweise auf Entstehung von "PIMS"

  18.05.2022 | 14:10 Uhr

Ein Forscherteam unter anderem der Uniklinik in Homburg hat Hinweise gefunden, wodurch die schwere Entzündungserkrankung "PIMS" hervorgerufen wird. Ursache sind offenbar sogenannte Autoantikörper, die die natürliche Entzündungsregulation im Körper verhindern.

Einem Forscherteam der Uniklinik Homburg und zweier weiterer deutschen Kliniken ist es gelungen, neue Hinweise zu entdecken, wie schwere Entzündungserkrankungen bei Kindern nach einer Infektion mit dem Coronavirus entstehen. Das hat das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) mitgeteilt.

In einer Studie untersuchten die Mediziner Blutplasmaproben von 0- bis 18-jährigen Patienten aus fünf großen deutschen und einer spanischen Klinik. Dabei fanden sie in mehr als 60 Prozent der untersuchten Fälle bei Patienten mit der Entzündungserkrankung "Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome" (PIMS) eine spezielle Art von Autoantikörpern. Das sind Antikörper, die vom Immunsystem gebildet werden, sich aber gegen den eigenen Körper richten.

Autoantikörper bremst Entzündungshemmer

Die bei den "PIMS"-Patienten entdeckten Autoantikörper verhindern die natürliche Entzündungsregulierung im Körper, in dem ein wichtiger Entzündungshemmer ausgebremst wird.

"Infolgedessen kommt es zu einem gefährlichen Ungleichgewicht und somit zu überschießenden Entzündungsreaktionen", erklärt der Mediziner Lorenz Thurner den zugrunde liegenden Mechanismus. Er leitet eine Arbeitsgruppe am José Carreras-Center, die sich mit fehlgeleiteten Autoimmunreaktionen unter anderem bei Krebserkrankungen oder Infektionen beschäftigt.

Bislang bundesweit 850 Fälle

Bis zum 15. Mai dieses Jahren wurden laut der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie deutschlandweit 850 "PIMS"-Fälle bei Kindern und Jugendlichen gemeldet. Die Forschungsergebnisse könnten nun einen möglichen Ansatzpunkt liefern, um Erkrankungen wie "PIMS" behandeln zu können.

An den Forschungsarbeiten waren neben dem Saar-Forschern vom José Carreras-Center der Inneren Medizin I in Homburg und der Klinik für Kinderkardiologie des UKS auch das Forschungslabor der Klinik für Kinderrheumatologie der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster sowie der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Kempten/ Klinikverbund Allgäu beteiligt. Mehr zu den Studienergebnissen finden Sie auf der Website des UKS. Eine Zusammenfassung der Studie in englischer Sprache gibt es zudem auf der Website des Fachjournals "The Lancet Rheumatology", in dem die Ergebnisse der Studie bereits publiziert wurden.

Mehr zum Thema

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 18.05.2022 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja