Ein männliches Ohr (Foto: pixabay/Hans)

Menschliches Ohr bewegt sich beim Hören

  12.07.2020 | 18:54 Uhr

Hunde, Katzen oder einige Affenarten bewegen heftig ihre Ohren, um sie auf Geräusche zu richten. Ein Forscherteam aus dem Saarland hat erstmals gezeigt, dass auch Menschen unbewusst winzige Ohrbewegungen machen, die genau in die Richtung gehen, in die sie ihre Aufmerksamkeit lenken.

Das Team, zusammengesetzt aus Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni und Ingenieurswissenschaftlern der HTW, konnte die Bewegungen während der Studie unter anderem anhand von elektrischen Impulsen des rudimentären motorischen Systems des Ohres nachweisen. Vor drei Jahren waren die Wissenschaftler eher zufällig auf dieses Phänomen gestoßen, als sie dabei waren Hirnströme bei Probanden zu messen und dabei Störsignale auftraten. Der Quelle dieser Störsignale sind die Forscher aus dem Saarland nachgegangen und stießen dabei auf das menschliche Ohr.

Hochauflösende Videoaufzeichnungen

Die sogenannten Steuersignale für die winzigen Ohrbewegungen konnten die Wissenschaftler mittels Oberflächen-Elektromyogrammen nachweisen: Dabei zeichnen Sensoren, die auf die Haut geklebt werden, die elektrische Aktivität der Muskeln auf, die die Ohrmuschel bewegen oder ihre Form verändern. Um die winzigen Ohrbewegungen näher zu charakterisieren, wurden zusätzlich hochauflösende Videoaufzeichnungen der Versuchspersonen während der Experimente gemacht.

Institutsleiter Prof. Daniel Strauss wies so nach, dass die Muskeln rund um das Ohr aktiv werden, sobald neuartige, auffällige oder aufgabenrelevante Reize wahrgenommen werden. "Dabei spiegelt die elektrische Aktivität der Ohrmuskeln die Richtung wider, in die der Mensch seine Aufmerksamkeit beim Hören richtet", sagt der Neurowissenschaftler. Die neuen Erkenntnisse seien für die Forschung ein wichtiges Tool, um Aufmerksamkeit zu messen.

"Der Mensch hat höchstwahrscheinlich ein rudimentäres Orientierungssystem beibehalten, das die Bewegung seiner Ohrmuscheln zu kontrollieren versucht, und das als 'neurales Fossil' im Gehirn seit etwa 25 Millionen Jahren fortbesteht“, erläutert Strauss. Warum das Ausrichten der Ohren in der Primatenkette verloren gegangen ist, sei bisher nicht vollständig geklärt.

Verbesserung von Hörgeräten

Eine praktische Anwendung dieses Wissens sei beispielsweise die Entwicklung besserer Hörgeräte: "Diese könnten die Geräusche, die der Träger zu hören versucht, verstärken, während sie die Geräusche, die er zu ignorieren versucht, unterdrücken. Damit würde die Funktion der Geräte quasi der Hörintention des Nutzers folgen", so Strauss. Die neuen Erkenntnisse aus dem Saarland könnten auch mögliche Produzenten von sogenannten Hearables interessieren, smarten Kopfhörern mit Zusatzfunktionen wie Activity- und Gesundheitstracking.

Eine Publikation der saarländischen Studie ist im Journal "eLife" erschienen.

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