Lebensmittel liegen in einer Mülltonne (Foto: dpa/Patrick Pleul)

Wie Lebensmittel gerettet werden können

Melina Miller   02.10.2021 | 09:12 Uhr

Rund 12 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jedes Jahr im Müll - rund die Hälfte davon aus privaten Haushalten. Bereits zum zweiten Mal findet deshalb auch im Saarland eine Aktionswoche gegen Lebensmittelverschwendung statt. Ein Überblick über nützliche Fakten und Tipps zum Thema.

Für Eilige geht es hier direkt zu den Tipps und den politischen Entscheidungen:

Tipps und Tricks für die Verbraucher

Das soll sich in Zukunft ändern

Am häufigsten werden Obst und Gemüse weggeworfen. Darauf folgen nach Angaben der Verbraucherzentrale des Saarlandes Brot und Backwaren, Getränke, Milchprodukte und fertig gekochte Lebensmittel. Die Liste ist also lang.

Um auf das Thema aufmerksam zu machen, beteiligt sich das Saarland vom 29. September bis zum 6. Oktober an der bundesweiten Aktionswoche gegen Lebensmittelverschwendung, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) initiert hat. Noch bis Mittwoch finden unter anderem Workshops und Informationsveranstaltungen und Verteilaktionen statt. Einen Überblick über die Aktivitäten gibt es unter zugutfuerdietonne.de.

Foodsharing als Alternative?

Eine Saarländerin, die sich intensiv mit dem Thema Lebensmittelverschwendung beschäftigt, ist Jessica Becker. Sie ist eine sogenannte Foodsaverin bei Foodsharing. Der Verein hat sich zum Ziel gemacht, übrig gebliebene Lebensmittel zu "retten". Dafür werden zum Beispiel Backwaren in Bäckereien oder Lebensmittel aus Supermärkten, die nicht mehr verkauft werden können, von den Mitgliedern des Vereins abgeholt und dann kostenlos weiterverteilt.

In Saarbrücken passiert das zum Beispiel in einem neu eröffneten "Fairteiler" - einem Ort, an dem Menschen die geretteten Lebensmittel abholen können. Orte wie diesen gibt es im Saarland an mehreren Stellen, zum Beispiel auch in Bexbach oder St. Ingbert.

Knapp 1300 Mitglieder hat der Verein im Saarland. Zwar seien nicht alle aktiv, aber es gebe schon ein großes Engagement, vor allem in der Landeshauptstadt, sagt Becker.

Tipps für die Verbraucher

Aber auch jeder Verbraucher und jede Verbraucherin selbst könne etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun - ohne in einem Verein engagiert zu sein. "Das geht schon beim Einkaufen los. Da kann man schon überlegen, was man wirklich braucht - und nicht im Überfluss alles einpacken."

Außerdem solle man sich auf seine Sinne verlassen und nicht auf das Mindesthaltbarkeitsdatum: "Wenn Milch oder Joghurt nicht mehr genießbar sind, riecht man das. Danach sollte man also entscheiden: riechen, schmecken und sehen und nicht nach dem Datum." In den meisten Fällen seien Lebensmittel nämlich deutlich länger haltbar, betont Becker.

Motiv: Zu gut für die Tonne (Foto: BMEL)
Auf der Homepage zugutfuerdietonne.de finden sich viele Informationen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

"Das MHD ist kein Wegwerfdatum. Es gibt an, bis zu welchem Termin der Hersteller bei ungeöffneter Packung und richtiger Aufbewahrung die spezifischen Eigenschaften des Produktes garantiert – wie beispielsweise Farbe, Geschmack und Aussehen", heißt es dazu auch auf der Seite des Ernährungsministeriums. Gesund und lecker seien die Produkte meist noch deutlich länger.

Ein weiterer Tipp der Foodsaverin: Ab und zu den Kühlschrank checken. "Einfach schauen, was habe ich noch, was muss weg, was kann ich zum Beispiel noch in einem Resteessen verwerten, einkochen oder einfrieren." Außerdem könne man übriges Essen auch verschenken.

Politische Veränderungen gefordert

Auch auf politischer Ebene soll sich etwas ändern. Zuletzt hatte sich das Saarland aktiv an einem Gesetzesvorschlag beteiligt, der Lebensmittelverschwendung künftig verringern soll. Der Bundesrat hat diesem Anliegen am 17. September zugestimmt - der Beschluss sei aber "durch Herausnahme entscheidender Forderungen stark verwässert", teilte eine Sprecherin des saarländischen Umweltministeriums mit.

So wurde zum Beispiel der Wunsch, verpflichtende Regelungen für die Wirtschaftsbeteiligten (zum Beispiel der Handel, Anm. d. Red.) einzuführen, nicht in den Beschluss aufgenommen. Das sei zu bedauern, heißt es vom Ministerium.

Stattdessen sieht der Beschluss nun beispielsweise vor, weitere steuerliche Anreize für den Handel zu schaffen, damit dieser noch verzehrbare Lebensmitteln mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum abgibt statt wegwirft. Außerdem wird die Bundesregierung in dem Beschluss aufgefordert, zu prüfen, ob das Mindesthaltbarkeitsdatum bei manchen Produkten ganz abgeschafft werden könne.

Marktcheck der Verbraucherzentralen

Eine Möglichkeit, die manche Märkte schon jetzt nutzen, ist der Verkauf von reduziertem Produkten. Nach Angaben der Verbraucherzentralen in Deutschland bieten rund 28 Prozent der Märkte* auf diese Weise preisreduziertes Obst und Gemüse an, um es verkaufen zu können, bevor es schlecht wird.

"Wir freuen uns, dass einige diese Möglichkeit gegen Lebensmittelverschwendung bereits wahrnehmen. Nun ist es wichtig, dass alle anderen Händler ebenfalls mitmachen“, erklärt Theresia Weimar-Ehl, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale des Saarlandes.

Häufig fehle es allerdings an der korrekten Kennzeichnung der Produkte. "Hat ein Apfel nun braune Stellen und landet in einer Kiste für preisreduzierte Lebensmittel, fehlen die notwendigen Pflichtangaben, die sich eigentlich auf der Preisbeschilderung befinden." Auch hier bestehe noch politischer Handlungsbedarf.

*Hinweis: Für den Marktcheck der Verbraucherzentralen wurden stichprobenartig deutschlandweit 25 Supermärkte und Discounter untersucht.

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