Polizei Saarland (Foto: SR)

"Brandbrief" von Betriebsarzt an Polizeipräsident Rupp

Thomas Gerber   26.08.2019 | 12:15 Uhr

Der Personalmangel bei der saarländischen Polizei führt offenbar zu massiven gesundheitlichen Problemen auch bei Führungskräften und Leistungsträgern. Zu diesem Ergebnis kommt der langjährige leitende Betriebsarzt der Polizei.

Nach SR-Informationen hat der Polizeiarzt einen Brief an Polizeipräsident Rupp geschrieben. Darin wies er auf eine "beängstigende" Situation hin. Demnach würden bei ihm zunehmend hochmotivierte Leistungsträger vorstellig. Diese zeigten Symptome eines klassischen Burn Out.

Arbeitsbelastung offenbar zu hoch

Die Zahl der Betroffenen sei in den letzten 15 Jahren in "erschreckender Weise" gestiegen. Wie der SR erfuhr, berichtet der Betriebsarzt in seinem Brief an Rupp von Führungskräften, die ihm teilweise weinend gegenüber gesessen hätten. Er betone in seinem Schreiben, dass es sich nicht um Einzelfälle sondern um eine allgemeine Entwicklung handele.

Es handele sich, so der Betriebsarzt, um Führungskräfte im mittleren bis höheren Lebensalter. Sie kämen zu ihm in die Sprechstunde, weil sie mit der Arbeitsbelastung offenbar nicht mehr zurecht kämen. Gründe seien vor allem der Personalmangel und das immer breitere Aufgabenspektrum.

Gewerkschaft fordert Sofortmaßnahmen

Der stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerktschaft der Polizei (GdP) Andreas Rinnert sagte dem SR, die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Kollegen seien eine logische Konsequenz des fortgesetzten Personalabbaus. Erst im kommenden Jahr werde der Personaltiefstand errreicht. Rinnert fordert die Einstellung weiterer Tarifbeschäftigter und finanzielle Anreize, damit Polizisten ihre Lebensarbeitszeit verlängern und ein Jahr später in Rente gehen könnten.

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten am 26.08.2019 berichtet.

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