Taschenrechner und Kugelschreiber liegen auf einem offenen Aktenordner (Foto: pixabay/jackmac34)

Bislang kein zusätzliches Geld für Gesundheitsämter

Nelly Theobald / Onlinefassung: Anne Staut   13.08.2020 | 15:21 Uhr

Die Corona-Pandemie hat die Gesundheitsämter an ihre Grenzen gebracht. Deshalb hatte das Bundesgesundheitsministerium Finanzhilfen von bis zu vier Milliarden Euro für Personal in Aussicht gestellt. Bislang ging der öffentliche Gesundheitsdienst jedoch leer aus.

In den letzten Wochen konnten die Mitarbeiter der Gesundheitsämter im Saarland durchatmen wegen geringer Infektionszahlen. Zuvor hatten sie wochenlang durchgearbeitet. Im März brachte die Pandemie die Ämter an ihre Grenzen.

Video [aktueller bericht, 13.08.2020, Länge: 3:20 Min.]
Gesundheitsämter bereiten sich auf mögliche zweite Welle vor

 "Wir haben zunächst mal das Personal im Gesundheitsamt zusammengezogen aus anderen Fachdiensten und uns auch noch mit Experten versorgt. Wir haben die Vernetzungsstrukturen aufgebaut, zur Bundeswehr, zur Kassenärztlichen Vereinigung etc., und diese Strukturen stehen prinzipiell bis heute", sagte Petra Spoo-Ludwig, Dezernentin für Jugend, Gesundheit, Arbeit und Soziales.

Video [aktueller bericht, 13.08.2020, Länge: 3:20 Min.]
SR-Reporterin Nelly Theobald zu der Vorbereitungssituation bei den Gesundheitsämtern

Kein neues Fachpersonal

Die Vernetzung, der Mitarbeiter-Pool und die Erfahrung sind bis heute geblieben - neue feste Mitarbeiter, medizinisches Fachpersonal oder gar Geld vom Bund gab es bisher allerdings nicht.

Stand der Dinge bei den Gesundheitsämtern
Audio [SR 3, Nelly Theobald, 13.08.2020, Länge: 03:12 Min.]
Stand der Dinge bei den Gesundheitsämtern

 "Tatsächlich ist in der Zwischenzeit nicht so wahnsinnig viel passiert. Also das was mir vorschwebt, was eigentlich notwendig gewesen wäre, ist eine quantitative und qualitative Verstärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes", sagt Dr. Jürgen Rissland, Landesvorsitzender des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst.  

Kurzfristig sei eine Verbesserung beim medizinischen Personal wohl nicht möglich. Es gebe schlicht zu wenige Ärzte, die im Öffentlichen Gesundheitsdienst arbeiten wollten. Deshalb müsse dieser dringend Teil des Medizinstudiums werden. Unter anderem das soll das Thema im Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdient sein, heißt es aus dem Ministerium. Über den Pakt beraten Bund und Länder im Moment.

"Wir müssen auch darüber reden, wie die Bezahlung dieser Ärzte an den Gesundheitsämtern ist", sagte der Leiter der Abteilung Gesundheit und Prävention im saarländischen Gesundheitsministerium, Dr. Thomas Lamberty.

Bislang kein Geld für Personal

Vier Milliarden Euro für Personal hatte das Bundesgesundheitsministerium angekündigt. Passiert ist noch nichts. Was bald kommen könnte, sind rund 600.000 Euro für die Digitalisierung der Gesundheitsämter im Saarland. Eine Vereinbarung darüber mit dem Bund will das Land jetzt unterzeichnen.

"Ich denke, es ist eine schnelle Soforthilfe, um ausschließlich Digitalisierung auf den Weg zu bringen", so Lamberty. Im Saarland seien die Gesundheitsämter dahingehend gut aufgestellt, dass sie eine einheitliche Software nutzten, die auch zur Nachverfolgung eingesetzt werde. Es müsse aber weiterentwickelt werden, was in der Coronazeit etabliert wurde.  

Treffen mit den Gesundheitsämtern erst im September

Ein Treffen zwischen Bundesregierung und Gesundheitsämtern wurde gerade erst nach hinten verschoben - von Ende August auf Mitte September.

Diesen Aufschub findet die Dezernentin für Jugend, Gesundheit, Arbeit und Soziales, Petra Spoo-Ludwig, erst mal nicht so schlimm. "Wir haben aber natürlich schon eine Erwartungshaltung, dass dann auch wirklich gepusht wird, und dass etwas rüberkommt", ergänzt sie.  

Die Verwaltungsmühlen malten eben langsam. Gespräche zwischen Landkreisen und Landesregierung sind erst für nach der Sommerpause vereinbart.

Gesundheitsämter für weitere Corona-Welle gerüstet?

Die Gesundheitsämter im Saarland hatten Ende Juli ihre Bedenken bezüglich einer möglichen zweiten Corona-Welle geäußert. Insgesamt sei der Öffentliche Gesundheitsdienst für Herausforderungen wie die Bewältigung der Corona-Pandemie nicht gut genug aufgestellt, sagte etwa ein Sprecher des Regionalverbands. Auch der Landkreis Merzig-Wadern sieht die personelle Besetzung im dazugehörigen Gesundheitsamt als zu knapp an.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 13.08.2020 berichtet.

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