Samuel Yeboah (Foto: SR)

Mutmaßlicher Täter im Fall Yeboah verhaftet

Mit Informationen von Thomas Gerber   04.04.2022 | 15:57 Uhr

Die Bundesanwaltschaft hat einen Tatverdächtigen im Fall Yeboah verhaftet. Der Mann steht im Verdacht, den Flüchtling ermordet zu haben. Yeboah war bei einem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Saarlouis-Fraulautern 1991 ums Leben gekommen.

Mehr als 30 Jahre nach dem Mord an dem ghanaischen Flüchtling Samuel Yeboah aus Saarlouis ist der Fall offenbar aufgeklärt. Wie die Bundesanwaltschaft dem SR mitteilte, ist am Montagmorgen in Saarlouis ein 50-Jähriger festgenommen worden. Noch am Mittag wurde vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe der Haftbefehl verkündet - wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr.

Der 50-jährige Peter S. wird dringend verdächtigt, im Herbst 1991 das Feuer in der Asylbewerberunterkunft in Fraulautern gelegt zu haben. Hintergrund sei seine rechtsextremistische und rassistische Gesinnung. Vor dem Ermittlungsrichter des BGH in Karlsruhe soll S. nach SR-Informationen keine Angaben gemacht haben.

Video [aktueller bericht, 04.04.2022, Länge: 3:38 Min.]
Verdächtiger verhaftet im Fall Yeboah

Feuer in Asylbewerberheim gelegt

Peter S. soll sich demnach in der Tatnacht mit weiteren Neonazis in einer Saarlouiser Gaststätte getroffen und über die Anschläge von Hoyerswerda gesprochen haben. In den frühen Morgenstunden des 19. September 1991 sei Peter S. dann zu der Asylbewerberunterkunft in Saarlouis gegangen, habe Benzin im Treppenhaus des Gebäudes ausgegossen und angezündet.

Das Feuer breitete sich rasend schnell aus. Samuel Yeboah wurde im Dachgeschoss von den Flammen überrascht und erlag noch in der Nacht seinen schweren Verletzungen.

Zwei weitere Hausbewohner konnten sich durch Sprünge aus dem Fenster retten, 18 weitere blieben unverletzt.

Der Fall Yeboah: Wie die Fraktionen den Fall bewerten
Audio [SR 3, Janek Böffel, 04.04.2022, Länge: 02:50 Min.]
Der Fall Yeboah: Wie die Fraktionen den Fall bewerten

Mordvorwurf steht im Raum

Die Bundesanwaltschaft wirft dem 50 Jahre alten Beschuldigten Mord und versuchten Mord in 20 Fällen vor. Bei dem Mann hatte es im vergangenen Jahr bereits eine Hausdurchsuchung gegeben. Damals reichten die Indizien nicht aus.

Laut Bundesanwaltschaft wurden seither 150 Zeugenvernehmungen durchgeführt, bei denen sich die Hinweise auf ihn verdichtet hätten. Der Beschuldigte hatte zur Tatzeit der rechtsextremistischen Szene in Saarlouis angehört und an mehreren Demonstrationen der Neonazis teilgenommen.

Die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken und die damaligen Ermittler stellten das Verfahren zu dem tödlichen Brandanschlag wenige Monate später ein. 2020 gab es dann plötzlich einen neuen Hinweis aus der Szene und die Bundesanwaltschaft übernahm den Fall.

Interne Arbeitsgruppe arbeitet mögliche Polizeiversäumnisse auf

Parallel dazu wurde beim saarländischen Landespolizeipräsidium die Arbeitsgruppe "Causa" eingerichtet. Sie soll intern aufarbeiten, ob auch Versäumnisse bei der Polizei dazu geführt hatten, dass der Fall vor rund 30 Jahren nicht aufgeklärt werden konnte. Die Polizei hat inzwischen Fehler bei der Bearbeitung des Falles Yeboah eingeräumt.

Nach Verhaftung des mutmaßlichen Täters
Polizei räumt Fehler im Fall Yeboah ein

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 04.04.2022 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja