Samuel Yeboah (Foto: SR)

Offenbar Fehler bei Yeboah-Ermittlungen

Thomas Gerber   07.08.2020 | 07:01 Uhr

Bei der Aufklärung des tödlichen Brandanschlags auf ein Saarlouiser Asylbewerberheim 1991 hat es offenbar erhebliche Fehler der Ermittlungsbehörden gegeben. Eine Arbeitsgruppe des Landespolizeipräsidiums soll nun unter anderem klären, warum die Taten nicht eindeutig als fremdenfeindlich und rechtsextremistisch eingestuft wurden.

Nach SR-Informationen wurde Mitte Juli dieses Jahres beim Landespolizeipräsidium eine Arbeitsgruppe "Causa" eingerichtet.

Die vier Beamten sollen untersuchen, ob ihre Kollegen damals Spuren falsch bewertet oder ignoriert haben. Dabei geht es auch um die Frage, warum die Tat 1991/92 nicht eindeutig als "fremdenfeindlich und rechtsextremistisch" eingestuft worden war.

Zuständig für die Ermittlungen war damals des örtliche Kriminalkommmissariat, das elf Monate nach der Tat seine Ermittlungen im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft eingestellt hatte.

Anschlag politisch motiviert

Inzwischen wurde beim Landespolizeipräsidium eine Sonderkommission eingesetzt. Die 18-köpfige SoKo "Welle" geht Hinweisen nach, wonach die Tat von Rechtsextremisten verübt worden sein soll.

Die entsprechenden Hinweise waren nach SR-Informationen Ende vergangenen Jahres eingegangen und hatten sich so weit bestätigt, dass die Saarbrücker Generalstaatsanwaltschaft im Januar dieses Jahres das Verfahren an die Karlsruher Bundesanwaltschaft weitergegeben hatte.

Die Bundesanwaltschaft stuft den Anschlag zwischenzeitlich als politisch motiviert ein. Gegen wie viele Personen derzeit ermittelt wird, ist unklar. Eine SR-Anfrage wollte die Bundesanwaltschaft nicht beantworten.

Fall wurde neu aufgerollt

Bei dem Anschlag im September 1991 war der 27 Jahre alte Asylbewerber Samuel Yeboah ums Leben gekommen. Unbekannte Täter hatten die Asylbewerberunterkunft in Brand gesetzt. Zwei weitere Bewohner der Unterkunft wurden verletzt.

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hatte ein Jahr nach dem Anschlag ihre Ermittlungen eingestellt, da ein Täter nicht zu ermitteln sei.

Die Bundesanwaltschaft hat den Fall neu aufgerollt und ermittelt aktuell wegen Mordes und wegen 18 fachen versuchten Mordes. In der Unterkunft hatten sich zum Tatzeitpunkt 19 Flüchtlinge aufgehalten.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 07.08.2020 berichtet.

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